27-09-2025, 09:19 - Wörter:
Es war ehrliche Freude, oder der Schatten einer solchen, die Vasims Gesicht aufhellen ließ. Erkennen und erkannt werden; zwei alte Freunde, die sich erst in Abwesenheit des anderen dazu bekannten, einander zu vermissen und jetzt, nach allem, was passiert war, froh waren, einander wieder zu haben. Dennoch überforderte diese plötzliche Geste an Zuneigung den Gardisten, er, der immer eine höfliche Distanz wahrte und nur die Grenzen seiner Position austestete, sie aber nie übertrat. Mit einem leisen Uff fing er ihr Gewicht auf, stolperte einen kleinen Schritt zurück und hielt den Speer nur aus Reflex weit genug von ihr weg, dass sie sich nicht versehentlich verletzte. Dumpf pochte sein belasteter, noch nicht ganz verheilter Oberschenkel unter den Bandagen, doch er ließ sich nichts anmerken und legte seine freie Hand leicht auf ihre Schulter. Eine Geste, die mehr von Unsicherheit und Anstand stemmte, und doch versucht, dem Impuls unter seinen Fingern nachzugeben und sie an sich zu drücken, nur weil sie so ungefiltert den ersten Schritt gewagt hatte. Als Amira sich löste, war Farbe in seine braunen Wangen gekehrt.
Deswegen versuchte Amira auch, ihn zu überzeugen - mit Argumenten, die sicherlich zutrafen, aber nicht die Zweifel aus seinem Gesicht fegten. Vasims Blick glitt an ihr vorbei in Richtung des Ganges, in dem man die Fackeln tanzen hören konnte, so still war es dort. Zufällig wusste er, dass dort oben keine Wachen stehen würden - nicht heute, wo man jeden loyalen Gardisten an der Seite des neuen Königs brauchte. Sie hatte sich keinen ungünstigeren Zeitpunkt ausgesucht, um Regeln zu brechen.
“Ah, hm, kein Problem”
, rang er doch etwas nach Worten. “Ich freu mich auch, dich wieder zu sehen.”
Da er nicht so recht wusste, was er mit seiner freien Hand anfangen sollte, rieb er damit über seinen Nacken und rückte den Turban zurecht. Sein Blick lag halb auf ihr, halb auf dem Boden, dann vollends auf ihr, als sie ihre Bitte äußerte. Eine Mischung aus verschiedenen Gefühlen huschte über sein Gesicht. Dort war ein Hauch von Trauer, nur weil sie den König und die Königin erwähnt hatte, unterschlagen von einem tieferen Schatten; vielleicht Schuld, vielleicht ein schlechtes Gewissen, vielleicht das Bewusstsein, in seiner Pflicht versagt zu haben. Dann waren da der Drang, der Bitte nachzukommen, gedämpft durch Zweifel und die Pflicht eines Gardisten. “Ich… ich weiß nicht, Amira.”
Sie wusste das. Sie wusste, dass Vasim ein guter Gardist war, auch wenn er nicht immer stillstehen konnte, wenn er sich nicht immer konzentrieren konnte, wenn er hier und da mal die kleinste Regel brach, um mit ihr gemeinsam zu lachen. Sie wusste, dass er keine bösen Absichten hegte und ihr gerne half, doch seine Gutwilligkeit Grenzen hatte. “Es ist verboten, in die Gemächer zu gehen, bis der neue König etwas anderes anordnet”
, versuchte er sanft, ihr die Idee aus dem Kopf zu schlagen. Aber er kannte sie. Er wusste, dass sie jede Idee bis zum Ende verfolgte, wenn sie sich diese einmal in den Kopf gesetzt hatte. Oft hatte er sie nur kopfschüttelnd begleitet, um den Schaden so gering wie möglich zu halten, doch diese Situation war anders.Deswegen versuchte Amira auch, ihn zu überzeugen - mit Argumenten, die sicherlich zutrafen, aber nicht die Zweifel aus seinem Gesicht fegten. Vasims Blick glitt an ihr vorbei in Richtung des Ganges, in dem man die Fackeln tanzen hören konnte, so still war es dort. Zufällig wusste er, dass dort oben keine Wachen stehen würden - nicht heute, wo man jeden loyalen Gardisten an der Seite des neuen Königs brauchte. Sie hatte sich keinen ungünstigeren Zeitpunkt ausgesucht, um Regeln zu brechen.
“Was willst du dort oben tun? Dich vergewissern, dass sie tot sind?”
In seiner Stimme klang ein dumpfer Schmerz nach, was man von Vasim gar nicht gewohnt war. Er war vorsichtiger geworden. Wurde zurückgehalten von etwas, das er nicht mit ihr teilen wollte. “Es wird nichts ändern, du kannst Tote nicht wieder vom Reich Heofaders zurückholen.”
So gerne er sie mochte, konnte er sie nicht von der Realität bewahren, die sie alle hatten einsehen müssen. Der neue König war ihre neue Realität und Amira tat besser daran, das bald zu verstehen.