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A Drop of Life
09.10.1016 - 22:00
Wüste außerhalb von Dharan al-Bahr

Sommerland
Zariyah Silk
Sommerland
Alter 24
Beruf Assassine
Wohnort Dharan al-Bahr
Stand Ledig
User Lia
#10
Er wiederholte ihre Worte nahezu vollkommen, und doch klang in seiner Stimme eine andere Körnung, als hätte der Wind selbst an den Silben gezerrt. Zariyah verfolgte die Nuancen, versuchte, die Schwere hinter dem Echo zu wiegen, die Feinheiten zu sortieren wie Gift auf ihrer Waage, doch die Wirkung des Varnas’ zog sanft an ihren Gedanken, machte die Kanten rund, schob die Analyse aus dem Vordergrund in einen ruhigen, milchigen Hintergrund. Energie sparen, nicht verzetteln, die Wärme in den Gliedern sammeln für den Abstieg. Ihr Körper wusste, wie bald er sie wieder brauchen würde.

Sie drehte sich zu Devan um. Er saß bereits, Beine verschränkt, Hände abgelegt, als hätte der Stein ihn Willkommen geheißen wie einen vertrauten Schüler, den er schon lange kannte. Die Lider geschlossen, die Stirn entspannt, der Atem tief, unaufgeregt. Er sank in die Stille der Meditation, und sie erkannte diesen Sog. Lange genug kannte sie diesen inneren Weg, den er dabei nahm: das Raster aus Schulung und Selbstzucht, ein feines Sieb, durch das Schuld, Entschluss, Frage und Antwort getrennt wurden, bis nur eine kristallklare Flüssigkeit blieb, in der man sehen konnte, was übrig war, wenn die Welt endlich schwieg.

Er nahm an, sie brauche ihn nicht. Das wusste sie. Diese Annahme trug er schon eine Weile mit sich wie eine zweite Klinge, sicher und einsatzbereit, doch nie gezückt ohne Not. Vielleicht war er mitgekommen, um Schulter an Schulter mit ihr zu gehen. Gleichauf. In seinem Schweigen lag diese Behauptung, fern von jeder Belehrung. Sie wusste, dass ihr Arm ohne ihn nicht in der Schlinge hängen würde, dass der Aufstieg ohne ihn ereignisloser gewesen wäre, als sie es zugeben wollte. Und doch lebte in ihr auch dieses andere Wissen, von Rabia und Devan selbst in sie eingeschliffen wie ein Gebet: Alles ist endlich. Auch das gemeinsame Gehen. Wenn die Zeit ruft, wird man gehen. Ohne Drama, ohne Forderung. Die Wüste blieb, die Menschen wechselten, nur die Linien im Sand wurden überschrieben.

Sie ließ sich neben ihm nieder, langsam, mit dem vorsichtigen Respekt, den man einem versehrten Gelenk entgegenbringt. Die Schlinge hielt den Arm still; der dumpfe Schmerz trommelte gedämpft, er war anwesend wie eine Wache vor einer Tür. Sie stellte den versiegelten Behälter mit dem Sengenden Dorn zwischen sich und ihn, genau in die Mitte, sodass seine Hand ihn ebenso leicht erreichen konnte wie ihre. Eine Geste ohne Worte: Teilung der Verantwortung, Einladung zur Prüfung, Raum für Widerspruch, falls sein Blick etwas in der Pflanze sähe, das ihr entgangen war. Etwas, das nur er sah, wenn er sah.

Der Wind fuhr über die Plattform, hob einzelne Sandkörner und legte sie andernorts wieder ab, als übe er ein stilles Alphabet, das nur die Geduldigen lesen konnten. Zariyah schloss die Augen. Die Wärme der Wurzel lag schwer unter ihrem Brustbein, nicht lähmend, eher wie ein dicker Mantel, der die Zähne des Schmerzes stumpf machte. Sie ließ den Atem in langen Bahnen kommen und gehen, zählte in Stille, entließ den Rest des Tages mit jedem Ausatmen tiefer in die Schlucht unter sich. Schultern sinken lassen, Kiefer lösen, Zunge vom Gaumen heben. Der Körper erinnerte sich an die unzähligen Übungen in Rabias Hof, an Devans Korrekturen an ihrem Rücken, wenn sie glaubte, schon aufrecht zu sitzen, und doch nur – so wurde Rabia bis heute selten müde – krumm wie ein Säbel dahockte.

Der Sand, den sein Tuch an ihrem Hals zurückließ, roch nach Weg und Hitze, nach Leder, Arbeit, Rauch und einem Hauch bitterer Kräuter, die ihr Klarheit gaben, statt sie zu trüben. Sein Geruch lag um sie, wie eine unsichtbare Schutzzone, und die Ruhe, die er ihr in dieser Höhe schenkte, strich mit kühlen Fingern über die simmernde Hitze tief in ihr. Der Arm in der Schlinge erinnerte sie an Grenzen. Die Gedanken fanden den Rand der Plattform, setzten sich dort hin wie Vögel, die sich zur Nacht niederließen.

Der Mond stieg noch ein Stück, die Temperatur fiel, und sie blieb. Er blieb. Das reichte. Morgen wartete die Wand, der Abstieg, die Stadt, die Aufträge und ihre Tinkturen. Heute Nacht gab es nur Atemzüge, die man teilte, und das Wissen, dass Enden nicht verhandelbar waren, aber Wege es manchmal waren. Als sie tiefer sank, war da noch ein offener Platz in der Stille, den sie nicht zu füllen wusste. Aber die Wüste schwieg. Das war genug.
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A Drop of Life - von Devan Naharis - 27-10-2024, 10:09
RE: A Drop of Life - von Zariyah Silk - 27-11-2024, 17:52
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