23-01-2026, 11:17 - Wörter:
Aufgeweichte Erde sog an Miras Stiefeln, als wolle sie sie festhalten, zurückziehen, dahin, wo sie herkam. Jeder Schritt machte ein leises, widerliches Geräusch, das ihr viel zu laut vorkam in der dämmernden Stille. Sie setzte die Füße trotzdem bewusst fest auf, so wie sie es bei anderen gesehen hatte. Sicher auftreten. Nicht zögern. Wer zögerte, fiel auf. Wer auffiel, wurde gefragt. Und Fragen waren gefährlich.
Der Wald roch nach nassem Laub, nach Moder und etwas Metallischem, das sie nicht benennen konnte. Es war ein Geruch, der ihr fremd und gleichzeitig beunruhigend vertraut war. Freiheit roch offenbar nicht sauber oder leicht. Sie roch nach Erde, nach Ungewissheit und nach der ständigen Möglichkeit, falsch abzubiegen. Mira zwang sich, ruhig zu atmen. Nicht zurückblicken. Nicht daran denken, dass niemand sie hierher gezwungen hatte. Dass sie selbst gegangen war. Dass ihr Vater sie nicht mehr rufen konnte, ihre Familie nicht mehr bestimmte, wann sie stehen, gehen oder schweigen sollte. Dieser Gedanke fühlte sich immer noch unwirklich an, wie ein schlecht erzähltes Märchen, das jeden Moment zusammenbrechen konnte.
Sie hockte sich hin, betrachtete den Boden mit gerunzelter Stirn. Da waren Abdrücke, oder zumindest hielt sie sie dafür. Vielleicht waren es auch nur verwischte Spuren von Regen. Oder von irgendetwas Größerem. Sie hatte einmal gesehen, wie ein Jäger auf solche Zeichen reagierte, also tat sie es ihm gleich: vorsichtig, konzentriert, so, als wüsste sie genau, was sie suchte. In Wahrheit hatte sie keine Ahnung. Sie wusste nur, dass man langsam sein musste. Bedacht. Sie trat absichtlich auf einen Ast, ließ ihn leise knacken, und hoffte, dass das irgendeinen Sinn ergab. Vielleicht erschreckte man so Tiere. Vielleicht war es auch genau das Falsche. Mira entschied, dass es egal war. Niemand schien es zu merken.
Die Dolche an ihren Seiten fühlten sich schwer an, mehr wie Requisiten als wie Werkzeuge. Sie hatte sie so getragen gesehen, also trug sie sie genauso. Dass sie kaum wusste, wie man sie richtig zog, geschweige denn benutzte, war ein Problem für später. Für eine Mira, die Zeit hatte, darüber nachzudenken. Für eine Zukunft, in der Drachen tatsächlich real waren und nicht nur ein Wort, das die Gruppe benutzte, um sich wichtig zu fühlen. Jetzt gerade ging es nur darum, nicht als Last aufzufallen. Nicht als die Neue. Nicht als das Mädchen, das eigentlich keine Ahnung hatte.
Sie spürte seinen Blick im Rücken, schon eine ganze Weile. Schwer, prüfend, nicht freundlich. Ivar. Natürlich. Sie hatte gelernt, solche Blicke zu erkennen. Menschen, die abwogen, ob man ihnen nützte oder im Weg stand. Sie sagte nichts. Wenn er ein Problem hatte, würde er es schon sagen. Und wenn nicht, dann war es offenbar kein Problem, das ihre Aufmerksamkeit verdiente. Also ging sie weiter, hob den Blick, tat so, als würde sie etwas entdeckt haben, und änderte die Richtung minimal. Selbstsicherheit war oft nichts weiter als gut gespielte Gleichgültigkeit.
Als seine Stimme schließlich kam, unerwartet direkt, zuckte sie innerlich zusammen, ließ es sich aber nicht anmerken. Sie richtete sich auf, wischte sich den Schlamm von den Händen und drehte den Kopf nur halb zu ihm, genug, um Interesse zu zeigen, nicht genug, um sich klein zu machen. Sein Tonfall war locker, fast spöttisch. Sie erkannte das Muster. Spiegeln. Immer spiegeln.
Der Wald roch nach nassem Laub, nach Moder und etwas Metallischem, das sie nicht benennen konnte. Es war ein Geruch, der ihr fremd und gleichzeitig beunruhigend vertraut war. Freiheit roch offenbar nicht sauber oder leicht. Sie roch nach Erde, nach Ungewissheit und nach der ständigen Möglichkeit, falsch abzubiegen. Mira zwang sich, ruhig zu atmen. Nicht zurückblicken. Nicht daran denken, dass niemand sie hierher gezwungen hatte. Dass sie selbst gegangen war. Dass ihr Vater sie nicht mehr rufen konnte, ihre Familie nicht mehr bestimmte, wann sie stehen, gehen oder schweigen sollte. Dieser Gedanke fühlte sich immer noch unwirklich an, wie ein schlecht erzähltes Märchen, das jeden Moment zusammenbrechen konnte.
Sie hockte sich hin, betrachtete den Boden mit gerunzelter Stirn. Da waren Abdrücke, oder zumindest hielt sie sie dafür. Vielleicht waren es auch nur verwischte Spuren von Regen. Oder von irgendetwas Größerem. Sie hatte einmal gesehen, wie ein Jäger auf solche Zeichen reagierte, also tat sie es ihm gleich: vorsichtig, konzentriert, so, als wüsste sie genau, was sie suchte. In Wahrheit hatte sie keine Ahnung. Sie wusste nur, dass man langsam sein musste. Bedacht. Sie trat absichtlich auf einen Ast, ließ ihn leise knacken, und hoffte, dass das irgendeinen Sinn ergab. Vielleicht erschreckte man so Tiere. Vielleicht war es auch genau das Falsche. Mira entschied, dass es egal war. Niemand schien es zu merken.
Die Dolche an ihren Seiten fühlten sich schwer an, mehr wie Requisiten als wie Werkzeuge. Sie hatte sie so getragen gesehen, also trug sie sie genauso. Dass sie kaum wusste, wie man sie richtig zog, geschweige denn benutzte, war ein Problem für später. Für eine Mira, die Zeit hatte, darüber nachzudenken. Für eine Zukunft, in der Drachen tatsächlich real waren und nicht nur ein Wort, das die Gruppe benutzte, um sich wichtig zu fühlen. Jetzt gerade ging es nur darum, nicht als Last aufzufallen. Nicht als die Neue. Nicht als das Mädchen, das eigentlich keine Ahnung hatte.
Sie spürte seinen Blick im Rücken, schon eine ganze Weile. Schwer, prüfend, nicht freundlich. Ivar. Natürlich. Sie hatte gelernt, solche Blicke zu erkennen. Menschen, die abwogen, ob man ihnen nützte oder im Weg stand. Sie sagte nichts. Wenn er ein Problem hatte, würde er es schon sagen. Und wenn nicht, dann war es offenbar kein Problem, das ihre Aufmerksamkeit verdiente. Also ging sie weiter, hob den Blick, tat so, als würde sie etwas entdeckt haben, und änderte die Richtung minimal. Selbstsicherheit war oft nichts weiter als gut gespielte Gleichgültigkeit.
Als seine Stimme schließlich kam, unerwartet direkt, zuckte sie innerlich zusammen, ließ es sich aber nicht anmerken. Sie richtete sich auf, wischte sich den Schlamm von den Händen und drehte den Kopf nur halb zu ihm, genug, um Interesse zu zeigen, nicht genug, um sich klein zu machen. Sein Tonfall war locker, fast spöttisch. Sie erkannte das Muster. Spiegeln. Immer spiegeln.
„Was ich hier mache?“
, wiederholte sie und zuckte kaum merklich mit den Schultern. „Dasselbe wie alle anderen – laufen, schauen, nichts überstürzen.“
Ihr Blick blieb im Wald hängen. „Manchmal reicht es, erst einmal zu wissen, wo man steht.“
Ein flüchtiges, schwer zu deutendes Lächeln. „Für alles Weitere ist später noch Zeit.“

