25-01-2026, 15:39 - Wörter:
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25-01-2026, 15:40 von Freyja Winters.)
To the forest of denialntitel
Walk with me until the time
Eine ganze Woche waren sie nun schon unterwegs. Das Baden im Fluss jagte der jungen Frau noch immer eiskalte Schauer über den Rücken, das Essen, was sie sich selbst erlegen mussten, ließ ihr immer noch regelmäßig die Galle aufsteigen und die Kälte, die ihr des nachts in die Knochen kroch, ließ sie immer noch in so mancher stiller Stunde daran zweifeln, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Zweifel waren normal, versuchte sie sich immer wieder selber einzureden. Es war normal, seine Entscheidungen infrage zu stellen, sich in Gedankenspielereien zu verlieren, sich alternative Szenarien auszudenken. Natürlich könnte Freyja immer noch hinter dem Tresen in der Taverne in Three Rivers stehen, könnte immer noch schales Bier in dreckigen Krügen ausschenken und nur ein entnervtes Brummen der Gäste entgegen nehmen, welches dem Goldtaler auf dem Schritt folgte, doch der Drang nach Abenteuer war da gewesen. Sie hatte ihre Bestimmung nicht einfach ignorieren können. Sie wollte auf diese Jagd gehen, wenn auch aus anderen Gründen, als die anderen. Zumindest vermutete sie das. So richtig traute sie sich nicht ihre wahren Gedanken auszusprechen, weil sie immer noch nicht ganz sicher war, wem sie trauen konnte und bei wem sie besser vorsichtig sein sollte.
Den ganzen Tag über waren sie durch das Dickicht im Wald gewandert. Hatten sich durch Geäst geschlagen, bis ihre Messer stumpf und ihre Füße wund gewesen waren. Jedenfalls empfand Freyja diesen Fußmarsch heute so. Und passiert war bisher noch gar nichts. Sie hatten keine Spuren, keine Tierkadaver, ja, nicht einmal verruße Baumstämme gefunden. Sie irrten umher wie eine Gruppe Verlorener. Und genauso fühlte es sich an. Als wäre Freyja verloren. Verloren in ihrem eigenen Abenteuer, das sie so sehr gewollt hat. Die Tatsache, dass sie einfach noch nichts gefunden hatten, verunsicherte sie. Dabei hatte sie sich anfangs sogar noch darüber gefreut, dass sie KEINE Spuren gefunden hatten, weil sie den Drachen - falls er denn überhaupt existierte - ja gar nicht verletzten wollte. Sie wollte ihn nur finden und am liebsten sogar warnen, falls sowas überhaupt möglich war. Einen Drachen hatte es seit so vielen Jahren nicht mehr gegeben. Dass dieses Geschöpf aus den alten Legenden nun angeblich wieder gesichtet worden war, war ein wundervolles Zeichen gewesen, kein unheilverkündendes Schicksal! Doch offenbar sahen das nicht alle so, wie die junge Brünette.
Während das Lagerfeuer vor sich hin knisterte und Freyja gerade ihr eigenes Lager soweit fertig gemacht hatte, dass sie sich gleich unter die kratzige Decke kuscheln konnte, die sie von zu Hause mitgenommen hatte, sah sie, dass eine der anderen Frauen etwas unentschlossen herum stand, als fühlte sie sich in diesem Moment genauso verloren, wie es bei der Winters selbst der Fall war. Kurzerhand beschloss sie, zu der Rothaarigen hinzugehen. Sie hatten zwar schon das ein oder andere Wort miteinander gewechselt, doch bisher waren sie gar nicht dazu gekommen sich richtig kennen zu lernen.
"
Hallo. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob ich mich schon bei dir vorgestellt habe. Und das, obwohl wir schon seit einer Woche unterwegs sind... Wo sind nur meine Manieren geblieben? Ich bin Freyja. Das musste ich jetzt dringend mal nachholen
", sagte sie etwas peinlich berührt und zuckte entschuldigend mit den Schultern.
