13-02-2026, 14:58 - Wörter:
Er hätte es wissen müssen. Schon in dem Moment, als seine Mutter den Vorschlag mit dieser ruhigen Selbstverständlichkeit ausgesprochen hatte, die keinen Widerspruch duldete, hatte er gespürt, dass es ein Fehler war. Zwei Schlafgemächer zusammenzulegen bedeutete keine Nähe, sondern eher Erwartung und Anspannung. Die Diskussion hatte sich über Tage gezogen, doch am Ende hatte er nachgegeben. Nicht, weil er überzeugt gewesen wäre, sondern weil man Frigga in solchen Dingen nicht widersprach. Schon gar nicht, wenn sie sich einmal entschieden hatte. Ihre Stimme blieb stets sanft, beinahe mild, doch unter der Oberfläche lag ein Wille, der ganze Reiche in Bewegung setzen konnte und im Augenblick kannte sie nur ein Ziel.
Einen Erben.
Sein Bruder war seit Jahren verheiratet und lange hatte man vergeblich auf das erlösende Zeichen gewartet. Inzwischen wuchs unter Aleenas Herzen zwar neues Leben, doch ein ungeborenes Kind war noch keine gesicherte Zukunft. Ein einzelner Erbe war ein Hoffnungsschimmer, gewiss, aber Hoffnung allein trug kein Reich.
Was zunächst mit Geduld betrachtet worden war, hatte sich in den vergangenen Jahren in eine stille, hartnäckige Sorge verwandelt. Frigga wusste das besser als jeder andere. Ein Thron, der nur auf einem Namen ruhte, war angreifbar. Also hatte sie beschlossen, das Schicksal nicht länger dem Zufall zu überlassen. Ein Erbe war gut. Zwei waren Sicherheit. Mehr waren Stabilität. Mit derselben ruhigen Entschlossenheit, mit der sie einst politische Bündnisse geknüpft hatte, ließ sie die Gemächer neu zuweisen, als ließe sich Nähe anordnen wie eine Truppenbewegung. Als könne man die Zukunft planen wie einen Feldzug.
Das Wort traf ihn anders, als alles andere, was sie jemals gesagt hatte. „Bleib.“ Es war kaum mehr als ein Hauch und doch lag kein Zögern darin. In ihrer Stimme schwang noch der Nachhall dessen mit, was sie aus dem Schlaf gerissen hatte - etwas Dunkles, Unausgesprochenes, das sich wie ein Schatten an ihre Worte klammerte. Jorin wollte sie verstehen. Nicht oberflächlich, nicht in jenen höfischen Mustern aus Annahme und Rücksicht, sondern wirklich. Wollte begreifen, was in ihr vorging, wenn die Nacht sie heimsuchte, wollte die Sprache lesen, die ihr Schweigen sprach. Doch in diesem Moment erschien ihm seine eigene Anwesenheit plötzlich fehl am Platz. Deshalb war er überzeugt gewesen, sie würde sein Angebot, zu gehen, dankbar annehmen. Dass Erleichterung in ihrem Blick aufblitzen würde, sobald er Abstand schuf. Doch nun war es anders. Oder war es das wirklich?
Ein flüchtiger Zweifel regte sich in ihm. Sagte sie es, weil sie es wollte oder weil sie wusste, was man von ihr erwartete? Weil man ihr beigebracht hatte, dass eine Ehefrau ihren Gemahl nicht fortschickt? Dass Nähe kein Wunsch, sondern Pflicht sei?
Er wollte diesem Gedanken keinen Raum geben. Wollte ihn nicht weiterverfolgen, nicht in diesem Augenblick, der ohnehin schon zu zerbrechlich war, um ihn mit Misstrauen zu beschweren. Trotzdem blieb die Unsicherheit wie ein kaum sichtbarer Riss im Glas zwischen ihnen bestehen.
Er griff nach der schweren, wollenen Decke, die vom Bett geglitten war, und hob sie langsam auf. Mit ruhigen, bedachten Handgriffen legte er sie um Lindgards Schultern, zog den Stoff höher, bis er die zarte Linie ihres Schlüsselbeins verbarg und die Kälte, die sich unbemerkt an sie geschlichen hatte, aussperrte. So nah, dass er ihren Atem auf seiner Haut spüren konnte - warm, noch leicht unregelmäßig, als müsse er sich erst wieder sammeln. Eine kaum wahrnehmbare Bewegung ihres Brustkorbs, das leise Streifen ihrer Haare an seinem Handgelenk, der feine Duft von Fell, Kerzenwachs und ihr selbst. Für einen flüchtigen Moment verharrte er in dieser Nähe. Seine Finger glitten ein Stück über die Decke, strichen sie glatt, ohne ihre Haut zu berühren und doch war jede Geste von einer Vorsicht durchzogen, die mehr sagte als Worte. „Du sollst nicht frieren“, murmelte er dann. Obwohl seine Stimme ruhig blieb, verriet die Spannung in seiner Haltung, wie bewusst ihm diese Nähe war, wie sehr er darauf achtete, sie nicht zu bedrängen, während er doch spürte, wie schwer es ihm fiel, sich wieder von ihr zu lösen. „Hattest du einen Alptraum?“
Einen Erben.
Sein Bruder war seit Jahren verheiratet und lange hatte man vergeblich auf das erlösende Zeichen gewartet. Inzwischen wuchs unter Aleenas Herzen zwar neues Leben, doch ein ungeborenes Kind war noch keine gesicherte Zukunft. Ein einzelner Erbe war ein Hoffnungsschimmer, gewiss, aber Hoffnung allein trug kein Reich.
Was zunächst mit Geduld betrachtet worden war, hatte sich in den vergangenen Jahren in eine stille, hartnäckige Sorge verwandelt. Frigga wusste das besser als jeder andere. Ein Thron, der nur auf einem Namen ruhte, war angreifbar. Also hatte sie beschlossen, das Schicksal nicht länger dem Zufall zu überlassen. Ein Erbe war gut. Zwei waren Sicherheit. Mehr waren Stabilität. Mit derselben ruhigen Entschlossenheit, mit der sie einst politische Bündnisse geknüpft hatte, ließ sie die Gemächer neu zuweisen, als ließe sich Nähe anordnen wie eine Truppenbewegung. Als könne man die Zukunft planen wie einen Feldzug.
Das Wort traf ihn anders, als alles andere, was sie jemals gesagt hatte. „Bleib.“ Es war kaum mehr als ein Hauch und doch lag kein Zögern darin. In ihrer Stimme schwang noch der Nachhall dessen mit, was sie aus dem Schlaf gerissen hatte - etwas Dunkles, Unausgesprochenes, das sich wie ein Schatten an ihre Worte klammerte. Jorin wollte sie verstehen. Nicht oberflächlich, nicht in jenen höfischen Mustern aus Annahme und Rücksicht, sondern wirklich. Wollte begreifen, was in ihr vorging, wenn die Nacht sie heimsuchte, wollte die Sprache lesen, die ihr Schweigen sprach. Doch in diesem Moment erschien ihm seine eigene Anwesenheit plötzlich fehl am Platz. Deshalb war er überzeugt gewesen, sie würde sein Angebot, zu gehen, dankbar annehmen. Dass Erleichterung in ihrem Blick aufblitzen würde, sobald er Abstand schuf. Doch nun war es anders. Oder war es das wirklich?
Ein flüchtiger Zweifel regte sich in ihm. Sagte sie es, weil sie es wollte oder weil sie wusste, was man von ihr erwartete? Weil man ihr beigebracht hatte, dass eine Ehefrau ihren Gemahl nicht fortschickt? Dass Nähe kein Wunsch, sondern Pflicht sei?
Er wollte diesem Gedanken keinen Raum geben. Wollte ihn nicht weiterverfolgen, nicht in diesem Augenblick, der ohnehin schon zu zerbrechlich war, um ihn mit Misstrauen zu beschweren. Trotzdem blieb die Unsicherheit wie ein kaum sichtbarer Riss im Glas zwischen ihnen bestehen.
Er griff nach der schweren, wollenen Decke, die vom Bett geglitten war, und hob sie langsam auf. Mit ruhigen, bedachten Handgriffen legte er sie um Lindgards Schultern, zog den Stoff höher, bis er die zarte Linie ihres Schlüsselbeins verbarg und die Kälte, die sich unbemerkt an sie geschlichen hatte, aussperrte. So nah, dass er ihren Atem auf seiner Haut spüren konnte - warm, noch leicht unregelmäßig, als müsse er sich erst wieder sammeln. Eine kaum wahrnehmbare Bewegung ihres Brustkorbs, das leise Streifen ihrer Haare an seinem Handgelenk, der feine Duft von Fell, Kerzenwachs und ihr selbst. Für einen flüchtigen Moment verharrte er in dieser Nähe. Seine Finger glitten ein Stück über die Decke, strichen sie glatt, ohne ihre Haut zu berühren und doch war jede Geste von einer Vorsicht durchzogen, die mehr sagte als Worte. „Du sollst nicht frieren“, murmelte er dann. Obwohl seine Stimme ruhig blieb, verriet die Spannung in seiner Haltung, wie bewusst ihm diese Nähe war, wie sehr er darauf achtete, sie nicht zu bedrängen, während er doch spürte, wie schwer es ihm fiel, sich wieder von ihr zu lösen. „Hattest du einen Alptraum?“
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