21-02-2026, 15:20 - Wörter:

Veith hob den Krug an die Lippen und trank. Neben ihm saß Halger, breit wie ein Scheunentür, mit seinem roten, feurigen Haar und dem wilden Bart. Wenn er sprach, tat er es mit einer Stimme, die selbst das Klirren der Krüge zu übertönen vermochte. „Wir sind fähig und willig, wir werden dir folgen und wir werden von klein auf trainiert. Nicht so wie Castandor das tut, aber jeder den du mitnimmst weiß wie er eine Waffe halten muss und wem er damit gehörig eine verpassen sollte.“ In diesem Punkt gab Veith seinem Freund recht. Die Männer und Frauen aus Norsteading hatten gelernt, mit klammen Fingern Netze einzuholen, während Eis an den Seilen wuchs. Sie hatten Felder bestellt, die mehr Stein als Erde kannten und ihre Kinder großgezogen, obwohl der Winter jedes Jahr einen von ihnen mitnahm. Sie kannten Entbehrung wie einen alten, ungebetenen Verwandten und sie hatten sich nie vor ihm gebeugt.
Veith drehte den Krug zwischen den Händen. „Leidenschaft brennt hell“, sagte er ruhig, ohne den Blick von dem schäumenden Rest zu heben. „Aber sie brennt auch schnell herunter, wenn man sie gegen eine Mauer aus Schwertern und Schilden wirft“, sagte er ruhig. „Es steht mir nicht zu, die Leidenschaft der Menschen aus Norsteading kleinzureden“, sagte Veith und strich mit dem Daumen über den feuchten Rand seines Kruges. „Ich habe sie oft genug gesehen, vor allem in der Einöde, wenn andere längst umgekehrt wären. Ich weiß, was in ihnen brennt.“ Er hob den Blick, ließ ihn über die Gesichter am Tisch wandern, bevor er bei Leif hängen blieb. „Aber um diesen Kampf zu gewinnen, benötigen wir mehr als brennende Herzen. Feuer wärmt, doch es verbrennt auch blindlings, wenn man es nicht lenkt. Wir brauchen eine klare Strategie. Männer, die nicht nur stark zuschlagen, sondern wissen, wann sie zuschlagen. Wir brauchen Disziplin in den Reihen, Kundschafter, die uns nicht nur Gerüchte bringen, sondern verlässliche Zahlen. Wir müssen wissen, wo der Großkönig seine Vorräte lagert, welche Pässe er nimmt, welche Banner er zuerst in die Schlacht führt.“ Er beugte sich vor, seine Stimme wurde leiser, zwang die anderen, näher zu rücken. „Leidenschaft ist unser Anfang“, fuhr Veith fort. „Doch ohne Führung ist sie wie ein Sturm ohne Richtung. Er tobt gewaltig, aber er trifft selten das, was er treffen soll.“
