08-03-2026, 06:51 - Wörter:

“Es tut gut, zu hören, dass wir für die gleiche Sache kämpfen”
, entgegnete er aufrichtig und erwiderte den Blick seines Freundes fest. Es bedeutete auch, dass er all die Männer und Frauen, die seine Werte teilten, nicht ins Verderben führen durfte.Die Verantwortung auf seinen Schultern war ihm nicht fremd, aber an manchen Tagen wog sie schwerer als an anderen. Heute war einer der Tage, wo er sich die Verantwortung von Bier, seinen Freunden und guter Stimmung etwas von den Schultern nehmen ließ. So fühlte es sich leichter an, auf Halgers Scherz amüsiert die Augenbrauen zu heben und unverhohlen seinem Blick standzuhalten, auch wenn der Hühne ihn vermutlich alleine mit seinen Armen auseinander nehmen konnte - und das wollte schon was heißen.
“Du bist der größte Barbar unter ihnen. Und verdammt stolz drauf, guck dich doch an.”
Auch wenn die Worte nicht direkt an ihn gerichtet waren, nahm er Veith gerne die Vorlage ab und ließ etwas Provokation durch seine Haltung scheinen; in dem Kinn, das sich etwas reckte, und seinen Mundwinkeln, die den Anflug eines zähnebleckenden Grinsens mit sich trugen. Zufrieden mit der Ansprache, die darauf folgte, lehnte Leif sich nach vorne und klopfte Halger einmal kräftig auf die Schulter. “Und deswegen hab ich dich zum Kommandanten ernannt, Bruder.”
Er hob seinen Krug und erwartete, dass mindestens Halger mit anstieß, ehe er sich wieder zurücklehnte und einen kräftigen Schluck nahm.Natürlich nahm Leif nicht alles auf die leichte Schulter. Aber so, wie er sich die Zeit nahm, um sich mit älteren Kriegern zusammenzusetzen und ihren Rat ernst zu nehmen, brauchte er auch die Zeit mit seinen Freunden, um ein wenig abzuschalten. Es gab genug Themen, die er nicht mit ihnen teilte, genug Sorgen, die bei ihnen kein Gehör fanden und ihn doch nächtelang wach hielten. Dinge, die er hier verdrängte, um sich ein Stück von der Brüderlichkeit abholte, die er in all dem Kriegstrubel erst so richtig zu vermissen gelernt hatte. Vorbei waren die sorgenlosen Tage am Lagerfeuer, nur sie, ihre Jagdtrophäen und die heulenden Wolfe im Wald. Und doch fand er sich hier, umgeben von Brüdern, die sich gerne mit ihm an alte Zeiten erinnerten.
Immer hörte er zu, wenn Veith etwas zu sagen hatte. Während er mit Halger und Kjell gerne stichelte, wurde er in der Präsenz des einsamen Wolfs oft ruhiger, wachsamer, aufmerksamer, weil er wusste, dass Veith seine Worte nicht einfach so dahin sagte. Er wählte sie sorgfältig, und mit Bedacht, und jedes trug sein eigenes Gewicht, das gehört werden wollte. Etwas nachdenklicher geworden, nickte Leif und verstand, welcher Appell unter anderem an ihn gerichtet wurde. Statt seinem Freund zu versichern, dass er sich all dieser Dinge bewusst war, nahm er hingegen den Gesprächsfaden auf und sprach das an, was ihn beschäftigte.
“Ich habe das Gefühl, dass unsere Intelligenz nicht genug sein wird. Ridvan hat sein Volk zum Krieg verpflichtet, aber wir wissen nicht, wie viele sich dem Heer anschließen und wie gut sie ausgebildet sind. Ob sie nur Futter für die ersten Reihen sind oder genauso diszipliniert wie die castandorischen Soldaten.”
In Gedanken drehte Leif das Bierfass zwischen seinen Fingern auf dem Holztisch und schnaufte schließlich. “Würde mich wundern, wenn Augusto sein Heer selbst anführt, aber mit ein bisschen Glück können wir auf einen der Prinzlinge hoffen.”
