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just a ghost with a beating heart
04.10.1016 - 00:12
Hallen Wintergards, Jorins Gemächer
Trigger: PTBS, Panikattacke, Schlafparalyse

Winterland
Jorin Stelhammer
Winterland
Alter 21
Beruf Prinz von Norsteading
Wohnort Wintergard
Stand Verheiratet
User Risa
#8
„Hattest du einen Alptraum?“ Kaum ausgesprochen, bereute er seine eigene Frage beinahe wieder. Nicht, weil sie unangebracht war, sondern weil sie plötzlich viel zu klein wirkte für das, was er in ihrem Blick gesehen hatte. Es hatte nicht wie die gewöhnliche Verwirrung eines Menschen ausgesehen, den ein schlechter Traum geweckt hatte. Da war etwas anderes gewesen. Etwas, das noch immer an ihr haftete wie Nebel an den Hängen eines Fjords. Jorin ließ die Hand sinken, nachdem er die Decke um ihre Schultern gelegt hatte. Die Wärme ihres Atems schien noch auf seiner Haut zu liegen. Für einen Augenblick blieb er reglos sitzen, als würde jede hastige Bewegung das fragile Gleichgewicht zwischen ihnen stören.

Das Feuer war inzwischen fast heruntergebrannt. Wo zuvor Flammen getanzt hatten, glommen nur noch einige rotgoldene Nester zwischen geschwärzten Holzscheiten. Das matte Licht reichte kaum aus, um die Konturen des Raumes zu zeichnen. Die Schatten hatten längst die Oberhand gewonnen. Sein Blick blieb einen Moment auf den sterbenden Glutresten liegen, ehe er sich langsam erhob. Die Bewegung geschah beinahe lautlos. Er trat an den Kamin, ging in die Hocke und legte mit geübten Händen zwei Holzstücke über die noch lebende Glut. Vorsichtig schob er sie so zurecht, dass Luft zwischen ihnen bleiben konnte. Danach griff er nach dem Schürhaken und zog einige der glimmenden Kohlen näher zusammen. Für einen Augenblick geschah nichts. Dann beugte er sich vor und blies langsam in die Glut. Ein schwaches oranges Leuchten breitete sich aus. Erst zaghaft, dann kräftiger. Die Hitze antwortete mit einem leisen Knistern. Ein dünner Faden Rauch stieg auf, ehe sich an den Kanten des Holzes die ersten Flammen zeigten. Jorin blieb noch einen Moment hocken und beobachtete, wie sie sich langsam festfraßen. Kleine Lichtzungen leckten über die trockenen Fasern, wurden größer, fanden Nahrung und richteten sich schließlich auf.

Nach und nach kehrte Wärme in den Raum zurück. Das flackernde Licht strich über die Steinwände, über das Bett und über die schweren Felle, die überall verteilt lagen. Für einen kurzen Augenblick wirkte die Dunkelheit weniger erdrückend. Erst dann stellte er den Schürhaken wieder beiseite. Als er sich umdrehte, fiel sein Blick unwillkürlich wieder zu Lindgard. Ein Teil von ihm wollte nachfragen. Wollte verstehen, was sie erschreckt hatte, wollte die Ursache greifen und ihr nehmen wie einen Feind auf dem Schlachtfeld. Doch das hier war kein Kampf, den man mit Entschlossenheit gewinnen konnte. Also blieb er still. Die Anspannung in seinen Schultern löste sich nur langsam, während er zu seinem Platz an ihrer Seite zurückkehrte. Er setzte sich wieder auf die Bettkante und verschränkte die Hände lose ineinander. Eine Haltung, die ihm selbst überraschend vorkam. Fast wirkte sie geduldig.

Seine Gedanken wanderten unweigerlich zurück zu den vergangenen Wochen. Zu all den Momenten, in denen er geglaubt hatte, Abstand sei das Rücksichtsvollste, was er ihr geben konnte. Zu jedem Schritt zurück, den er gemacht hatte, um ihr Raum zu lassen und nun saß er hier, mitten in der Nacht, weil ein einziges leises Wort ihn davon abgehalten hatte zu gehen.
Bleib.
Je länger er darüber nachdachte, desto weniger gelang es ihm, den Klang davon aus seinem Kopf zu verbannen. Nicht weil es eine besondere Bitte gewesen wäre. Sondern weil sie überhaupt ausgesprochen worden war. Sein Blick senkte sich auf die Decke, deren Falten er eben noch geglättet hatte. Die Bewegung war beinahe lächerlich fürsorglich gewesen. Etwas, das ihm normalerweise nicht einmal aufgefallen wäre. Doch in diesem Augenblick hatte er jede einzelne Berührung bedacht, jede Geste abgewogen, als würde er über dünnes Eis gehen. Schließlich hob er den Kopf wieder leicht. In seinen Zügen lag noch immer dieselbe ruhige Zurückhaltung wie zuvor, doch die Unsicherheit darunter war schwerer zu verbergen. Nicht die Unsicherheit eines Mannes, der Angst vor Zurückweisung hatte. Eher die eines Menschen, der verzweifelt vermeiden wollte, etwas falsch zu machen. „Ich bin dein Ehemann, Lindgard. Du kannst mich mit allem belasten“, erklärte er schließlich leise. Nicht, weil er glaubte, ein Recht darauf zu haben, sondern weil er wollte, dass sie verstand, dass sie diese Last nicht allein tragen musste.
[Bild: sig-jorin1.png]
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RE: just a ghost with a beating heart - von Jorin Stelhammer - Vor 2 Stunden

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