12-04-2024, 19:46 - Wörter:
Rabia sagte zwar nichts mehr zu Belisarius, aber sie hatte durchaus gehört und verstanden. Sie würde sich schon gut um die Kleine kümmern. Es kam selten vor, dass er derart junge Leute anschleppte, aber vermutlich waren die noch leichter zu formen. Doch damit hatte sie meist nichts zu tun. Und auch jetzt galt ihre Aufmerksamkeit weniger Belisarius' Interessen, als dem Zustand der jungen Frau, die von ihrem Freund abgesetzt wurde.
Obwohl Daphne sich immer noch etwas schlapp und verwundbar fühlte, wollte sie sich nicht hinlegen, sondern blieb an die Wand hinter sich gelehnt auf der Liege sitzen. Von hier aus konnte sie auch einen besseren Blick in das ordentlich ausgeleuchtete Labor der Heilerin werfen. Es verfügte über eine offene Feuerstelle, über der klischeehaft ein Kessel hing, in dem irgendetwas vor sich hin blubberte. Doch Daphne starrte eher die vielen Regale voll mit Blättern, Käfern, Gedärmen (... so sicher konnte sie das aus der Ferne nicht sagen), Pilzen und anderen merkwürdigen Dingen an.
"Du hattest wahrscheinlich noch nie mit einer Heilerin zu tun, oder?", fragte Rabia, während sie dem Blick von Daphne folgte, die sachte den Kopf schüttelte. "Kannst Du dich denn daran erinnern, was passierte, bevor Du ohnmächtig wurdest? Erzähl mir, woran Du dich erinnerst...", bat Rabia und fing dabei auch an, den Körper ihres Gegenübers mit den Augen zu untersuchen.
Daphne presste die Lippen aufeinander und senkte den Blick, betrachtete den Boden und versuchte, sich an alles zu erinnern. "Ich hatte einen Auftritt und habe gesungen und musiziert. Dann wollte ich mein Trinkgeld einsammeln und ..." Sie hielt inne. Natürlich war da noch die grobe Erinnerung an das Gespräch mit dem Fremden, den sie eben noch auf dem Hof gesehen hatte. Aber ... sie konnte sich nicht mal an seinen Namen erinnern. Nur daran, dass er etwas über ihren Vater wusste. Sie versuchte, sich anzustrengen. Sicher hatten sie noch mehr gesprochen...
Rabia erkannte, dass Daphne in einer gedanklichen Sackgasse steckte. "Nicht schlimm. Erzähl' mir was über Dich, wie du heißt, wie alt Du bist, wann Du das letzte Mal was gegessen hast...", sagte Rabia mit sachter Stimme während sie mit einer Kerze in Daphnes Augen leuchtete. Nebenbei waren das natürlich Informationen, die auch für Belisarius sicher interessant waren. "Daphne Christopoulos. Ich bin 17... und gehöre als Bardin zu einer Gruppe von Gauklern. Man nennt mich dann Elfgesang. Ich bin die einzige von uns fünf, die musiziert und singt...", berichtete sie, denn das waren einfache Fragen, leicht zu beantworten. "Elfgesang... das klingt aber bezaubernd...", säuselte Rabia gedankenversunken mit schwärmerischer, tiefer Stimme und wahrlich ein bisschen verzaubert, während sie ihre Untersuchung fortsetzte und Daphne aufforderte, sich hinzulegen. "Unser Anführer ist aus Farynn und die glauben dort an Elfen in den Hügeln und sowas...", erklärte Daphne den Namen und entspannte sich ein wenig.
"Hast Du sonst noch jemanden, den ich später informieren soll? Eltern, Geschwister?", fragte Rabia, diesmal durchaus neugierig. Hier konnte sie wichtige Informationen erhalten. "Meine Mutter wohnt in der Stadt. Hermia...", antwortete Daphne und auf die abermalige Nachfrage nach Geschwistern schüttelte sie den Kopf. "Wer ist der Mann, mit dem ich her gekommen bin? Mit dem Du gesprochen hast...? Er sagte, er weiß etwas über meinen Vater...", erkundigte Daphne sich, nachdem man sie auf ihre familiäre Situation angesprochen hatte. Rabia legte den Kopf zur Seite und lächelte sacht. "Der Hausherr will sich Dir bestimmt nachher selbst noch vorstellen...", antwortete sie bedachtsam, da sie nicht vorgreifen wollte.
Die ganze Angelegenheit dauerte bestimmt eine Stunde, denn Rabia war eine Frau, die sich nicht drängeln ließ. Belisarius mochte ja seine Pläne haben, aber es ging hier auch um einen Menschen, der Aufmerksamkeit verdiente. Als Rabia die Tür öffnete, erblickte sie sofort ihren jungen Freund, der scheinbar vor der Tür gewartet hatte. Vermutlich nicht die ganze Zeit über, aber das war auch nicht weiter von Belang.
Rabia schloss die Tür hinter sich, denn natürlich wollte sie zuerst mit Belisarius allein sprechen, bevor er sich auf Daphne stürzte. "Also... sie heißt Daphne Christopoulos, ist grade mal 17 und hat eine Mutter, Hermia, in der Stadt. Soweit ich sagen kann, keine Geschwister. Angeblich weißt Du etwas über ihren Vater, zumindest hat sie mich danach gefragt.
Sie kann sich nicht mehr vollständig an euer Gespräch erinnern, auch nicht an deinen Namen. Aber ansonsten scheint sie mir in Ordnung zu sein. Keine Infektionskrankheiten, keine Hautkrankheiten, keine Verletzungen, keine Läuse, keine Flöhe, alle Zähne im Mund, gute Augen... mit ziemlicher Sicherheit ist sie noch Jungfrau.
Warum sie ohnmächtig wurde, kann ich nur erahnen. Zu wenig gegessen, zu wenig getrunken, langen Auftritt gehabt, stickige Taverne, große Aufregung, mysteriöser Fremder..." Sie grinste und entblößte dabei ihre eigenen Reihen von Zähnen, die sie meist mit Kohle säuberte und die entsprechend ein wenig Verfärbungen aufwiesen.
"Sie klagte über Kopfschmerzen und ansonsten mach' ich mir nur Sorgen um ihre Mangelernährung. Vermutlich hat sie ihr ganzes Leben immer wieder gehungert und sich einseitig ernähren müssen.
Für heute sollte sie keine weiten Strecken mehr zurücklegen müssen...", fasste die Heilerin zusammen. Sie sprach sehr ruhig, damit man sie auf der anderen Seite der Tür nicht hören konnte. Und der letzte Teil war fast schon eine klare Ansage in Belisarius' Richtung. Nichtsdestotrotz zog sie einen der gewünschten Tränke hervor und überreichte ihm das kleine, noch verkorkte und versiegelte Fläschchen. Die Entscheidung, ob Daphne die Flasche trinken sollte, oder nicht, würde Belisarius treffen müssen. Möglicherweise war ja doch irgendein K.O.Kriterium für ihn dabei gewesen. Und Rabia wollte das Fläschchen definitiv nicht verschwendet wissen. Auf nüchternen Magen würde die Wirkung bestimmt ganz gut ausfallen.
"Hast Du den Jungen wieder fortgeschickt? Oder soll ich das noch erledigen?
Ach, und vielleicht sollten wir ihr das Korsett wieder geben. Wenn sie mit Kleidern so haushalten muss, wie mit Essbarem, dann ist sie vermutlich froh darum, es wieder zu bekommen...", schloss Rabia ihren Vortrag und legte ihre Hände ineinander. Sie schien mit sich selbst äußerst zufrieden zu sein. Weniger, weil sie ein Lob wollte oder dergleichen - nein, gegen derartige Banalitäten war sie erhaben - sie fühlte sich einfach immer gut damit, wenn sie einem Menschen hatte helfen dürfen. Zur weiteren Eignung des kleinen Singvogels konnte und wollte sie keine Entscheidung treffen. Und daher sagte sie auch nichts in diese Richtung.
Obwohl Daphne sich immer noch etwas schlapp und verwundbar fühlte, wollte sie sich nicht hinlegen, sondern blieb an die Wand hinter sich gelehnt auf der Liege sitzen. Von hier aus konnte sie auch einen besseren Blick in das ordentlich ausgeleuchtete Labor der Heilerin werfen. Es verfügte über eine offene Feuerstelle, über der klischeehaft ein Kessel hing, in dem irgendetwas vor sich hin blubberte. Doch Daphne starrte eher die vielen Regale voll mit Blättern, Käfern, Gedärmen (... so sicher konnte sie das aus der Ferne nicht sagen), Pilzen und anderen merkwürdigen Dingen an.
"Du hattest wahrscheinlich noch nie mit einer Heilerin zu tun, oder?", fragte Rabia, während sie dem Blick von Daphne folgte, die sachte den Kopf schüttelte. "Kannst Du dich denn daran erinnern, was passierte, bevor Du ohnmächtig wurdest? Erzähl mir, woran Du dich erinnerst...", bat Rabia und fing dabei auch an, den Körper ihres Gegenübers mit den Augen zu untersuchen.
Daphne presste die Lippen aufeinander und senkte den Blick, betrachtete den Boden und versuchte, sich an alles zu erinnern. "Ich hatte einen Auftritt und habe gesungen und musiziert. Dann wollte ich mein Trinkgeld einsammeln und ..." Sie hielt inne. Natürlich war da noch die grobe Erinnerung an das Gespräch mit dem Fremden, den sie eben noch auf dem Hof gesehen hatte. Aber ... sie konnte sich nicht mal an seinen Namen erinnern. Nur daran, dass er etwas über ihren Vater wusste. Sie versuchte, sich anzustrengen. Sicher hatten sie noch mehr gesprochen...
Rabia erkannte, dass Daphne in einer gedanklichen Sackgasse steckte. "Nicht schlimm. Erzähl' mir was über Dich, wie du heißt, wie alt Du bist, wann Du das letzte Mal was gegessen hast...", sagte Rabia mit sachter Stimme während sie mit einer Kerze in Daphnes Augen leuchtete. Nebenbei waren das natürlich Informationen, die auch für Belisarius sicher interessant waren. "Daphne Christopoulos. Ich bin 17... und gehöre als Bardin zu einer Gruppe von Gauklern. Man nennt mich dann Elfgesang. Ich bin die einzige von uns fünf, die musiziert und singt...", berichtete sie, denn das waren einfache Fragen, leicht zu beantworten. "Elfgesang... das klingt aber bezaubernd...", säuselte Rabia gedankenversunken mit schwärmerischer, tiefer Stimme und wahrlich ein bisschen verzaubert, während sie ihre Untersuchung fortsetzte und Daphne aufforderte, sich hinzulegen. "Unser Anführer ist aus Farynn und die glauben dort an Elfen in den Hügeln und sowas...", erklärte Daphne den Namen und entspannte sich ein wenig.
"Hast Du sonst noch jemanden, den ich später informieren soll? Eltern, Geschwister?", fragte Rabia, diesmal durchaus neugierig. Hier konnte sie wichtige Informationen erhalten. "Meine Mutter wohnt in der Stadt. Hermia...", antwortete Daphne und auf die abermalige Nachfrage nach Geschwistern schüttelte sie den Kopf. "Wer ist der Mann, mit dem ich her gekommen bin? Mit dem Du gesprochen hast...? Er sagte, er weiß etwas über meinen Vater...", erkundigte Daphne sich, nachdem man sie auf ihre familiäre Situation angesprochen hatte. Rabia legte den Kopf zur Seite und lächelte sacht. "Der Hausherr will sich Dir bestimmt nachher selbst noch vorstellen...", antwortete sie bedachtsam, da sie nicht vorgreifen wollte.
Die ganze Angelegenheit dauerte bestimmt eine Stunde, denn Rabia war eine Frau, die sich nicht drängeln ließ. Belisarius mochte ja seine Pläne haben, aber es ging hier auch um einen Menschen, der Aufmerksamkeit verdiente. Als Rabia die Tür öffnete, erblickte sie sofort ihren jungen Freund, der scheinbar vor der Tür gewartet hatte. Vermutlich nicht die ganze Zeit über, aber das war auch nicht weiter von Belang.
Rabia schloss die Tür hinter sich, denn natürlich wollte sie zuerst mit Belisarius allein sprechen, bevor er sich auf Daphne stürzte. "Also... sie heißt Daphne Christopoulos, ist grade mal 17 und hat eine Mutter, Hermia, in der Stadt. Soweit ich sagen kann, keine Geschwister. Angeblich weißt Du etwas über ihren Vater, zumindest hat sie mich danach gefragt.
Sie kann sich nicht mehr vollständig an euer Gespräch erinnern, auch nicht an deinen Namen. Aber ansonsten scheint sie mir in Ordnung zu sein. Keine Infektionskrankheiten, keine Hautkrankheiten, keine Verletzungen, keine Läuse, keine Flöhe, alle Zähne im Mund, gute Augen... mit ziemlicher Sicherheit ist sie noch Jungfrau.
Warum sie ohnmächtig wurde, kann ich nur erahnen. Zu wenig gegessen, zu wenig getrunken, langen Auftritt gehabt, stickige Taverne, große Aufregung, mysteriöser Fremder..." Sie grinste und entblößte dabei ihre eigenen Reihen von Zähnen, die sie meist mit Kohle säuberte und die entsprechend ein wenig Verfärbungen aufwiesen.
"Sie klagte über Kopfschmerzen und ansonsten mach' ich mir nur Sorgen um ihre Mangelernährung. Vermutlich hat sie ihr ganzes Leben immer wieder gehungert und sich einseitig ernähren müssen.
Für heute sollte sie keine weiten Strecken mehr zurücklegen müssen...", fasste die Heilerin zusammen. Sie sprach sehr ruhig, damit man sie auf der anderen Seite der Tür nicht hören konnte. Und der letzte Teil war fast schon eine klare Ansage in Belisarius' Richtung. Nichtsdestotrotz zog sie einen der gewünschten Tränke hervor und überreichte ihm das kleine, noch verkorkte und versiegelte Fläschchen. Die Entscheidung, ob Daphne die Flasche trinken sollte, oder nicht, würde Belisarius treffen müssen. Möglicherweise war ja doch irgendein K.O.Kriterium für ihn dabei gewesen. Und Rabia wollte das Fläschchen definitiv nicht verschwendet wissen. Auf nüchternen Magen würde die Wirkung bestimmt ganz gut ausfallen.
"Hast Du den Jungen wieder fortgeschickt? Oder soll ich das noch erledigen?
Ach, und vielleicht sollten wir ihr das Korsett wieder geben. Wenn sie mit Kleidern so haushalten muss, wie mit Essbarem, dann ist sie vermutlich froh darum, es wieder zu bekommen...", schloss Rabia ihren Vortrag und legte ihre Hände ineinander. Sie schien mit sich selbst äußerst zufrieden zu sein. Weniger, weil sie ein Lob wollte oder dergleichen - nein, gegen derartige Banalitäten war sie erhaben - sie fühlte sich einfach immer gut damit, wenn sie einem Menschen hatte helfen dürfen. Zur weiteren Eignung des kleinen Singvogels konnte und wollte sie keine Entscheidung treffen. Und daher sagte sie auch nichts in diese Richtung.
