16-04-2024, 18:56 - Wörter:
Das war zu leicht. Belisarius hegte ein Misstrauen gegen Leichtigkeit und einfache Zufälle. Daphne verfiel der Lüge zu einfach und zu schnell. Belisarius hatte grundsätzlich keinerlei Vertrauen in solche Situationen, die nur durch eine Erzählung abgesichert waren, die jederzeit geändert werden konnte und manchmal musste. Er beobachtete Daphne genau, achtete auf jede Augenbewegung und auch Gestik. Der Kriegsherr wollte sie verstehen, ihre Schwachpunkte zählen und deren Nutzen gewissenhaft abarbeiten. Gründe gab es viele, doch keinerlei Grund war ausreichend genug, um zu erklären, warum Daphne geeignet war. Sie war geeignet, weil sie durch Zufall an den Teufel geraten war, der stets nach Verlorenen suchte. Belisarius nutzte das, was ihm geboten wurde. Und Daphne bot sich sich sehnsüchtig als mögliche Agentin an, nicht weil Belisarius ein derartiges Angebot klar genug formuliert hatte, sondern weil sie einsam war und eine wirklich Familie suchte, eben ihren Vater, deren Verlust sie gebrandmarkt hatte. Dieses Brandzeichen konnte Belisarius deutlich sehen, wie es über Daphnes Leben ein Zeichen hinterließ. "Es ist euer Leben und euer Schicksal. Der Aufruhr ist längst vergangen, sofern ihr für diesen auch nichts konntet," erklärte er mit einer gewissen Unschuld in seinem Gesicht, welche ebenso gespielt war, wie sein Angesicht menschlich wirkte. Seine Lüge machte das Theater genügsamer, brauchbarer und entfernte es von seinem wahren Selbst. Er konnte nicht sauber trennen und doch trennte er sich selbst von allem ab, was er tat. Niemand wusste wirklich, was er wirklich dachte und wünschte. Vielleicht wusste seine geliebte Skadi mehr über ihn, sprach es aber aus Rücksicht nie an, sondern teilten gemeinsame Zeiten ehrlich und verschwiegen sich ihre Grausamkeiten. Verglich er Daphne mit Skadi? Nein, das tat er nie. Er verglich nie etwas, was ihm von Bedeutung war, mit der grausamen Realität, die sein Handwerk nun einmal war.
Der unheilige Kriegsherr wollte Daphne benutzen, verwenden und redete sich ein, ihr damit zu helfen. Belisarius Mitgefühl war dahin gespuckt, leer und so fremd, wie seine Sehnsucht nach einer anderen Welt, die ihm verzeihen konnte. Doch die gab es nicht, da er nicht einmal sich selbst verzeihen konnte. All die Narben und die erfahrene Gewalt hatten ihre Spuren tief in seine Seele und auch sichtbar auf seinen Körper gebrannt. Einst begonnen von seinem Vater, dann von der Welt übernommen und letztlich tat er sich selbst all diese Grausamkeit an, die ihn stets von der liebevollen Welt trennte. Belisarius imitierte das Gute nur, war es aber nicht. Doch Daphne konnte es nicht sehen, wollte es nicht sehen, gab sich diesem Theater hin und der unheilige Geist, der Belisarius nun einmal war, nahm es wissentlich auf. Er sah jedwede Regung in ihrem Gesicht und nahm es genügsam hin. "Du kannst mich einfach Belisarius nennen. Ich habe es hier unter Freunden nicht mit falschen Höflichkeiten," sagte er und lächelte dabei und meinte dies sogar ernst. Niemand musste sich hier wirklich verstellen und doch taten es fast alle, entweder durch Eifer, Irrglauben oder Furcht. Der größte Lügner von allen war jedoch Belisarius selbst, der nicht nur andere einbezog, sondern auch sich selbst. Wenn Daphne auch diesem Eifer und Irrglauben verfallen sollte, sich ihnen anschließen musste, sollte sie dies frei tun. Er würde ihr keine Kette aus Metall schmieden, sondern seine Ketten waren bösartiger. Seine Ketten lagen im Wunsch, in der Seele, im Geist und der Hoffnung, die Menschen an seine Sache banden. Menschen glaubten an ihn, glaubten seinen Lügen, die so gut verfügt und gegossen waren, dass sie eine schöne Scheinwelt schufen, die einem selbst Sinn und Sehnsucht gab. Deshalb suchte er Verlorene, da diese sich stets an etwas ketten würden, was ihnen Zuhause oder Sehnsucht war. Daphne folgte bereits brav und zeigte keinerlei Zweifel, so dass sich Belisarius zurücklehnte, jedoch behielt er jenes fürsorgliche Gesicht bei. Alle Worte waren angekommen, breiteten sich aus und wurden bereits durch ihren Verstand ergänzt. Die Saat ging auf, ohne großes Zutun und diabolisches Untermalung. "Wir wären Cousins, ja," bestätigte er die Unwahrheit, gab sich selbst ihr hin und bot sich sogar selbst als Familienmitglied an, um Daphne genügend Raum auf dieser Bühne zu geben. Belisarius war gut darin, sich selbst zurück zu nehmen, damit die Lüge und Unwahrheit mehr Platz hatten, die sich aus den Gedanken der Menschen herausschnitt. Ihre Verblüffung war nur ein weiterer Weg in ihre Gefangenschaft. Ein Gefängnis erwartete sie, welches keinerlei Mauern brauchte. Es war eine Hölle, deren Teufel selbst darin gefangen war. Daphne begab sich ohne eigenes Wissen über ihren Umstand an einen dunklen Ort, der sie niemals gehen lassen würde. Ihre eigene Sehnsucht nach einem Vater war der Pfad, den der teuflische Belisarius nutzte, indem er nun eine Geste mit seiner Hand machte und dann das kleine Gefäß mit dem Bewusstsein brechendem Gift näher zu ihr schob. Bald wäre es soweit. Nur noch ein wenig Zeit und Daphne würde eine weitere gefallene Seele werden.
Sie fragte bereits hoffnungsvoll, ob sie die Nacht im Anwesen und gleichsam der Zitadelle verbringen konnte. So fragil, so naiv und so gläubig war die junge Daphne, dass sie nicht sah, wessen Bühne sie hier bespielte. Belisarius nahm den Unterton deutlich wahr, verlor jedoch sein Lächeln und zeigte sich besorgt. Er musste ihre Hoffnung nutzen, umlenken und verwenden. Details waren in dieser delikaten Lage wichtig. "Natürlich kannst du dies. Als meine Cousine steht dir selbstverständlich ein Gästezimmer zu. Du musst nicht auf dem Boden schlafen. Du bist eine von uns," stellte er fest und wählte diese Worte bewusst, damit Daphne die Lüge noch mehr verinnerlichte. "Du wirst nie mehr allein sein," sprach er mit einem merkwürdigen Ton und log nicht einmal. Sobald sie zum Haus gehörte, dem dunklen Turm ein Untertan war, gab es kein Alleinsein mehr, sondern nur noch Aufgaben und Pflichten, die stets als hingebungsvolle Suche daherkamen. "Doch da dein Vater verschwunden ist, kann ich noch nicht beweisen, dass du zu unserem Haus gehörst. Doch werde ich dich nicht aufgeben, da ich mir sicher bin, dass du meine Cousine bist. Ich werde dem Wunsch von Ignatius entsprechen und dich frei aufnehmen...," begann er mit den Einschränkungen und überführte die Bühne in jenes Opferritual, welches notwendig war, damit Daphne wahrlich den Pfad zum dunklen Turm gehen konnte. "... es wird Zeit brauchen. Ich werde dies alles rechtlich klären müssen aber bis dahin, hast du hier ein Zuhause und eine Familie," log er nicht einmal. Alle, die die delikaten Aufgaben für ihn erledigten, lebten gut und bequem. Er sorgte sich gut um sie, denn die Ketten mussten stets neu bearbeitet werden, damit nie eine Seele auf die Idee kam, nach dem wahren Himmel zu suchen. "Doch alles hat seinen Preis, Daphne. Alles im Leben kommt nicht ohne Preis daher," begann er mit dem Opfer. Sie musste Teile ihres Bewusstseins opfern, ihren Geist wandeln lassen, damit die Manipulationen wahrlich Ketten werden konnten. Belisarius würde keine Agentin zulassen, die nicht jenen Ritus durchlaufen hatte, um sich auszuliefern. Nur eine ausgelieferte Persönlichkeit, konnte das tun, was notwendig war und war verlässlich genug, um Belisarius nicht dauerhaft zu enttäuschen. Er tippte neben die kleine Phiole. "Dies ist ein Heilmittel für deine Seele, für dich als Mensch," begann er den Ritus, der nicht den freien Willen zerbrach aber in gewisse Formen brachte. Daphne musste jedoch frei wählen, denn die Wahl war die wahre Prüfung in dieser Sache, die Belisarius so wichtig war. "Durch die lange Zeit fern von uns, hast du dich verloren und dieses Mittel wird dir helfen, dich zu erinnern, zu befreien und es wird dir auch helfen, gut zu schlafen," sagte er und nickte ihr fürsorglich auffordernd zu. Sie musste es selbst nehmen, ansonsten konnte er nicht weiter machen. Diese Prüfung war so wichtig, dass Belisarius nicht darauf verzichten konnte. Denn sie zeigte, inwieweit sich Daphne kontrollieren ließ. Kontrolle war alles, was wirklich notwendig war.
Der unheilige Kriegsherr wollte Daphne benutzen, verwenden und redete sich ein, ihr damit zu helfen. Belisarius Mitgefühl war dahin gespuckt, leer und so fremd, wie seine Sehnsucht nach einer anderen Welt, die ihm verzeihen konnte. Doch die gab es nicht, da er nicht einmal sich selbst verzeihen konnte. All die Narben und die erfahrene Gewalt hatten ihre Spuren tief in seine Seele und auch sichtbar auf seinen Körper gebrannt. Einst begonnen von seinem Vater, dann von der Welt übernommen und letztlich tat er sich selbst all diese Grausamkeit an, die ihn stets von der liebevollen Welt trennte. Belisarius imitierte das Gute nur, war es aber nicht. Doch Daphne konnte es nicht sehen, wollte es nicht sehen, gab sich diesem Theater hin und der unheilige Geist, der Belisarius nun einmal war, nahm es wissentlich auf. Er sah jedwede Regung in ihrem Gesicht und nahm es genügsam hin. "Du kannst mich einfach Belisarius nennen. Ich habe es hier unter Freunden nicht mit falschen Höflichkeiten," sagte er und lächelte dabei und meinte dies sogar ernst. Niemand musste sich hier wirklich verstellen und doch taten es fast alle, entweder durch Eifer, Irrglauben oder Furcht. Der größte Lügner von allen war jedoch Belisarius selbst, der nicht nur andere einbezog, sondern auch sich selbst. Wenn Daphne auch diesem Eifer und Irrglauben verfallen sollte, sich ihnen anschließen musste, sollte sie dies frei tun. Er würde ihr keine Kette aus Metall schmieden, sondern seine Ketten waren bösartiger. Seine Ketten lagen im Wunsch, in der Seele, im Geist und der Hoffnung, die Menschen an seine Sache banden. Menschen glaubten an ihn, glaubten seinen Lügen, die so gut verfügt und gegossen waren, dass sie eine schöne Scheinwelt schufen, die einem selbst Sinn und Sehnsucht gab. Deshalb suchte er Verlorene, da diese sich stets an etwas ketten würden, was ihnen Zuhause oder Sehnsucht war. Daphne folgte bereits brav und zeigte keinerlei Zweifel, so dass sich Belisarius zurücklehnte, jedoch behielt er jenes fürsorgliche Gesicht bei. Alle Worte waren angekommen, breiteten sich aus und wurden bereits durch ihren Verstand ergänzt. Die Saat ging auf, ohne großes Zutun und diabolisches Untermalung. "Wir wären Cousins, ja," bestätigte er die Unwahrheit, gab sich selbst ihr hin und bot sich sogar selbst als Familienmitglied an, um Daphne genügend Raum auf dieser Bühne zu geben. Belisarius war gut darin, sich selbst zurück zu nehmen, damit die Lüge und Unwahrheit mehr Platz hatten, die sich aus den Gedanken der Menschen herausschnitt. Ihre Verblüffung war nur ein weiterer Weg in ihre Gefangenschaft. Ein Gefängnis erwartete sie, welches keinerlei Mauern brauchte. Es war eine Hölle, deren Teufel selbst darin gefangen war. Daphne begab sich ohne eigenes Wissen über ihren Umstand an einen dunklen Ort, der sie niemals gehen lassen würde. Ihre eigene Sehnsucht nach einem Vater war der Pfad, den der teuflische Belisarius nutzte, indem er nun eine Geste mit seiner Hand machte und dann das kleine Gefäß mit dem Bewusstsein brechendem Gift näher zu ihr schob. Bald wäre es soweit. Nur noch ein wenig Zeit und Daphne würde eine weitere gefallene Seele werden.
Sie fragte bereits hoffnungsvoll, ob sie die Nacht im Anwesen und gleichsam der Zitadelle verbringen konnte. So fragil, so naiv und so gläubig war die junge Daphne, dass sie nicht sah, wessen Bühne sie hier bespielte. Belisarius nahm den Unterton deutlich wahr, verlor jedoch sein Lächeln und zeigte sich besorgt. Er musste ihre Hoffnung nutzen, umlenken und verwenden. Details waren in dieser delikaten Lage wichtig. "Natürlich kannst du dies. Als meine Cousine steht dir selbstverständlich ein Gästezimmer zu. Du musst nicht auf dem Boden schlafen. Du bist eine von uns," stellte er fest und wählte diese Worte bewusst, damit Daphne die Lüge noch mehr verinnerlichte. "Du wirst nie mehr allein sein," sprach er mit einem merkwürdigen Ton und log nicht einmal. Sobald sie zum Haus gehörte, dem dunklen Turm ein Untertan war, gab es kein Alleinsein mehr, sondern nur noch Aufgaben und Pflichten, die stets als hingebungsvolle Suche daherkamen. "Doch da dein Vater verschwunden ist, kann ich noch nicht beweisen, dass du zu unserem Haus gehörst. Doch werde ich dich nicht aufgeben, da ich mir sicher bin, dass du meine Cousine bist. Ich werde dem Wunsch von Ignatius entsprechen und dich frei aufnehmen...," begann er mit den Einschränkungen und überführte die Bühne in jenes Opferritual, welches notwendig war, damit Daphne wahrlich den Pfad zum dunklen Turm gehen konnte. "... es wird Zeit brauchen. Ich werde dies alles rechtlich klären müssen aber bis dahin, hast du hier ein Zuhause und eine Familie," log er nicht einmal. Alle, die die delikaten Aufgaben für ihn erledigten, lebten gut und bequem. Er sorgte sich gut um sie, denn die Ketten mussten stets neu bearbeitet werden, damit nie eine Seele auf die Idee kam, nach dem wahren Himmel zu suchen. "Doch alles hat seinen Preis, Daphne. Alles im Leben kommt nicht ohne Preis daher," begann er mit dem Opfer. Sie musste Teile ihres Bewusstseins opfern, ihren Geist wandeln lassen, damit die Manipulationen wahrlich Ketten werden konnten. Belisarius würde keine Agentin zulassen, die nicht jenen Ritus durchlaufen hatte, um sich auszuliefern. Nur eine ausgelieferte Persönlichkeit, konnte das tun, was notwendig war und war verlässlich genug, um Belisarius nicht dauerhaft zu enttäuschen. Er tippte neben die kleine Phiole. "Dies ist ein Heilmittel für deine Seele, für dich als Mensch," begann er den Ritus, der nicht den freien Willen zerbrach aber in gewisse Formen brachte. Daphne musste jedoch frei wählen, denn die Wahl war die wahre Prüfung in dieser Sache, die Belisarius so wichtig war. "Durch die lange Zeit fern von uns, hast du dich verloren und dieses Mittel wird dir helfen, dich zu erinnern, zu befreien und es wird dir auch helfen, gut zu schlafen," sagte er und nickte ihr fürsorglich auffordernd zu. Sie musste es selbst nehmen, ansonsten konnte er nicht weiter machen. Diese Prüfung war so wichtig, dass Belisarius nicht darauf verzichten konnte. Denn sie zeigte, inwieweit sich Daphne kontrollieren ließ. Kontrolle war alles, was wirklich notwendig war.
