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Wherever the Wind blows
13.10.1016 - 12:00
Marktplatz in Spring's Court

Winter's Breed
Ivar Lorenson
Heimatlose - Admin
Alter 28
Beruf Söldner
Wohnort Überall
Stand Ledig
User Letha
#11
Frauen. Ey, am liebsten hätte Ivar ihr einfach alles um die Ohren gehauen, was er gerade von ihr abbekam. Leb damit? Tat er, zufällig genau hier. Er lebte mit der Scheiße, in der ihn die Welt ertränken wollte; hatte er schon immer getan, weil dieser eine mickrige kleine Funken in ihm zu bockig war, um zu verrecken. Damals, in der kleinen, ranzigen Hütte, hatte er lange mit den Behandlungen des Vaters gelebt, bis er irgendwann entschieden hatte, dass er auch etwas in den Topf werfen konnte. Dass er sich nicht immer nur rumschubsen lassen musste, sondern selbst lieber in seine eigene Scheiße waten wollte, als von ihr überrollt zu werden. Er war es leid, dass man ihm sagte, was er zu erdulden hatte und was nicht, Sanna hatte kein Recht, sich hier so aufspielen und ihm die Schuldgefühle eines großen Bruders aufzudrücken, der seine kleine Schwester im Stich gelassen hatte; oder ihr vielleicht eine Zukunft ermöglicht hatte, die mit Arvid Lorenson zu kurz gekommen wäre. Das Leben spielte nicht immer fair, ja und? War das jetzt auch noch seine Verantwortung? Aber natürlich waren es nicht solche Worte, die sich formten hinter dem Schwall von blinder Wut und der Fassungslosigkeit, überhaupt mitten auf dem Marktplatz mit solchen Gefühlen konfrontiert zu werden. Wäre Ivar für seine elegante Wortwahl bekannt, dann würde er jetzt wahrscheinlich nicht hier stehen, sondern sich einen Fettbauch anfressen in irgendeinem schnieken Thronsaal, oder wo auch immer die Reichen und Schönen sich der Völlerei hingaben. Aber nein, es musste ihn ja aufregen, dass Sanna es jetzt scheinbar nichtmal mehr schaffte, einen Satz zuende zu bringen, und noch mehr regte es ihn auf, dass es ihn so aufregte.
“-gefickt hab?”
, übernahm er es dann eben doch für sie, denn scheinbar war sie sich zu schade, die Straßenkötersprache in den Mund zu nehmen. Kein Problem, Schwester. War nicht so, als hätte er damit vor irgend jemandem einen Ruf zu verlieren.
Wollte er hier sein und von einem Balg, das zufällig seine Nichte war, getreten werden? Nein. Hatte er sich ausgesucht, hier in der Öffentlichkeit auf seine Vergangenheit zu treffen und so von ihr eingeengt zu werden, dass er sich entschuldigte? Sicher nicht. Ivar hätte schon längst seine Beine in die Hand genommen und reißaus genommen, wäre da nicht dieses eklige, kleine, elendige Gefühl von Verrat, das irgendwo da unten schlummerte - nicht ihm gegenüber, sondern von ihm ausgehend. Weil Sanna vor ihm stand und sie ihn mit ihrer Präsenz allein mit der Vergangenheit konfrontierte, die er vergessen wollte. Er wirkte wenig begeistert, fast ein wenig entsetzt über sich selbst, kaum hatte er die Entschuldigung ausgesprochen. Seine Aufmerksamkeit lag nicht mehr nur auf Sanna, sondern auch auf ihrer Tochter, die mittlerweile wieder Schutz bei ihrer Mutter suchte, auf den Umstehenden, die um sie herum einen Bogen machten und all die Blicke, die in seinem Nacken brannten. Dass er ein Idiot war, war nichts Neues. Dass Sanna ihn vermisst hatte eigentlich auch nicht, denn das Vermissen hatte lange auf Gegenseitigkeit beruht - so lange, bis Ivar entschieden hatte, seine Vergangenheit ruhen zu lassen. Und doch sprach etwas in ihrer Stimme auf ihn an, griff tiefer, als er wollte, und ließ ihn fast defensiv zurückweichen. Er starrte sie an. Lange, während sein Zögern verriet, dass er zwischen den Stühlen stand. Vor ihm stand kein Ebenbild von Martha mit ihrer stolzen, harten Art, sondern eine zerbrechliche junge Frau, die jetzt ihren Bruder brauchte. Ein Bruder, der nicht mehr existierte.
Die Blicke der Marktbesucher bohrten sich in den blonden Hünen und aus dem Augenwinkel bemerkte er, wie der Brotverkäufer sich langsam hinter seinem Stand heraus schälte, vermutlich, um die Situation zu deeskalieren oder so ein Scheiß. Und Sanna? Die wartete noch auf ihre Umarmung, doch er konnte sie ihr nicht geben. Aber er konnte sie auch nicht einfach so stehen lassen.
Unzufrieden zog Ivar den Schleim aus seinem Rachen hoch und spuckte ihn aus, auch wenn er damit das ekelhafte Gefühl von Verantwortung nicht los wurde.
"Guckt nicht so dumm, noch nie jemanden streiten gesehen?!"
, wandte er sich an die Schaulustigen, bevor er einen groben Schritt auf Sanna zumachte. Statt zu umarmen, griff er nach ihrem Handgelenk und zog sie ohne ein Wort durch den kleinen Pulk, der sich um sie gebildet hatte. Für Umstehende musste es vielleicht so aussehen, als würde ein streitendes Geschwisterpaar sich endlich aus dem Staub machen und den Frieden des Marktes nicht weiter stören - hoffentlich, denn er konnte jetzt keine neunmalklugen Ritter gebrauchen, die ihm folgten, um eine Jungfrau in Nöten zu retten. Ach, und dann war da noch das Kind, das sich hoffentlich an die Hand seiner Mutter klammerte, denn Ivar schaute erst über seine Schulter, als sie das geschäftige Treiben des Marktes hinter sich gelassen hatten. Kaum hüllte die kleine Seitenstraße mit den Backsteinmauern sie in Schatten und schützte sie vor der Sonne, ließ er Sannas Handgelenk los und drehte sich wieder zu ihr um.
“Ich kann dich nicht umarmen”
, erwiderte er prompt.
“Und keine Ahnung, was du vorher gesagt hast, ich les keine Poesie.”
Leider wusste er genau, was sie gesagt hatte - und er wusste, dass er ihr nicht das geben konnte, was sie brauchte.
“Aber wenn dus brauchst, dann kannst du… mich umarmen. Oder so.”
Da draußen hätte er das nie über sich gebracht, aber hier, ohne neugierige Fratzen, ohne irgendeine Art von Urteil, spürte er den Druck weniger auf sich, es richtig machen zu müssen. Ob er ihr das gab, was sie brauchte? Vermutlich nicht. Aber damit musste sie halt jetzt leben.
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Winterland
Sanna Lorenson
Winterland
Alter 22
Beruf Jägerin
Wohnort Rabenrast
Stand Ledig
User Natsch
#12
“-gefickt hab?”

Sannas Blick fuhr wie ein Pfeil in Ivars Gesicht. Ihre Hand ballte sich zur Faust. Am liebsten hätte sie ihm eine verpasst – mit Schmackes und ohne Vorwarnung. Doch sie schluckte den Zorn herunter, spürte nur, wie sein Feuer ihr eigenes anfachte. "Was heißt... gefickt?" Valdas kleine Stimme bahnte sich mühsam ihren Weg durch das Gemurmel der Menge. Sanna biss sich auf die Innenseite der Wange.

"Gefickt. Gefickt. Gefickt." Valda kicherte fröhlich und klatschte in die Hände, als hätte sie gerade ein besonders schönes Wort gelernt. Sannas Blick blieb an ihrer Tochter hängen. Und der Wunsch, ihrem Bruder eigenhändig den Hals umzudrehen, wurde mit jedem Gefickt übermächtiger. "Bei Heofader...", knurrte sie, "warum müsst ihr Söldner bloß reden wie die letzte Hafendirne?" Sie zwang sich zu einem stählernen Lächeln, während sie Valda ansah. "Das erklären wir dir gleich, mein Schatz." Dann wandte sie sich wieder Ivar zu.

Sein Umgang mit der Situation warf mehr Fragen auf, als er beantwortete. Natürlich hatte Sanna nicht geglaubt, dass alles zwischen ihnen einfach oder gar normal wäre – aber sie hatte es sich gewünscht. Vielleicht naiv, vielleicht töricht, aber eben gewünscht.
Dass er sie nicht umarmte, sondern sie wortlos am Handgelenk packte und aus der Menge zog, überraschte sie kaum. Und doch fühlte es sich an wie ein weiterer Schlag, einer, der ihre Lippen zu einer schmalen, unbeweglichen Linie presste.

Als Valda ins Straucheln geriet, hielt Sanna kurz inne, bückte sich und hob ihre Tochter auf den Arm, während Ivar sie weiter hinter sich her durch das Gedränge zog – so zielstrebig wie rücksichtslos.

“Ich kann dich nicht umarmen”

Sanna sah ihn lange an – ruhig, aber mit einer Nachdenklichkeit, die sich nicht verbergen ließ. Dann ließ sie Valda sanft zurück auf den Boden, deren kleine Hand sich instinktiv nach der ihrer Mutter ausstreckte. Das Kind schwieg, obwohl sie vermutlich noch genau wusste, was sie vorhin hatte fragen wollen. Doch sie spürte die angespannte Luft, das unausgesprochene zwischen den Erwachsenen – Kinder hatten für solche Dinge ein feines Gespür.

Sanna ließ Ivars Worte wirken. Sie hallten nach, schälten sich langsam aus ihrer Bedeutung und hinterließen ein Gefühl, das sie nicht leiden konnte. "Ich kann dich nicht umarmen" – es klang, als sei Zuneigung ein Almosen. Als müsse sie warten, bitten, hoffen. Und das widerstrebte ihr. Tief in ihr regte sich etwas, das sich gegen diese Rolle stemmte. Sie war keine Bedürftige. Keine Bittstellerin. Und schon gar nicht eine, die sich mit Bröckchen abspeisen ließ – nicht von ihm. Oder von irgendeinem anderen Mann.

Und doch… Sannas Blick glitt kurz zum Himmel, als könnte sie dort etwas finden, das ihr im Innern fehlte. Ihre Geduld vielleicht. Oder den Mut, über den eigenen Stolz zu springen. Das Frühlingsland hatte Spuren in ihr hinterlassen – feine Risse, die nicht bluteten, aber schmerzten. Ihre Abwesenheit in Rabenrast, die Sorge um Eydís, all die losen Enden, die sie zurückgelassen hatte… all das hatte sie mürbe gemacht. Weicher, vielleicht. Aber auch verletzlicher. Und sie hasste es.

Ihre braunen Augen senkten sich wieder auf ihren Bruder, dessen Geduld sie vermutlich bereits zu sehr auf die Probe gestellt hatte. Mit einem leisen Seufzen trat sie den letzten Schritt auf ihn zu, überbrückte die schmale Distanz und legte die Arme um ihn. Sie zog ihn fest an sich, ihr Kopf lehnte sich an seine Brust, wo der kräftige Herzschlag durch den Stoff zu spüren war. Und während sie dort stand, still, regungslos, wurde ihr mit fast brutaler Klarheit bewusst, dass sie sich noch nie so einsam gefühlt hatte, wie in diesem Moment. "Du musst ihr erklären, was gefickt bedeutet.", murmelte sie an seiner Brust, ihre Stimme rau vor unterdrückter Erschöpfung – und um die Tränen zu verbergen, die ihr längst die Sicht zu nehmen drohten.
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Winter's Breed
Ivar Lorenson
Heimatlose - Admin
Alter 28
Beruf Söldner
Wohnort Überall
Stand Ledig
User Letha
#13
Wenn der Söldner sich mit einer bestimmten Eigenschaft nicht rühmen konnte, dann war das… Zurückhaltung, Ehrgefühl, Feingespür, Intelligenz, Besonnenheit, Empathie, Hilfsbereitschaft, aber eben auch Geduld. Wollte er nicht. Konnte er nicht. Er hatte Sanna ein Angebot gemacht und typisch Weibsbild, das sie war, brauchte sie mal wieder ewig, um es sich durch den Kopf gehen zu lassen. Nicht dass es ihn verunsicherte oder so nen anderen Schwachsinn, als hätte sie nicht eben etwas Unmögliches von ihm erwartet und jetzt ließ sie ihn in der Luft hängen. Schlimmer noch, er fing an, etwas in ihrem Blick zu suchen; eine Antwort vielleicht, die sie ihm nicht geben wollte. Keine Ahnung, was er da fand, aber es machte das präsente Schuldgefühl null besser. Heofaders stinkendem Dreckschwanz sei Dank, jetzt fühlten sie sich beide schlecht.
Ivar war wirklich kurz davor, einfach zu gehen. Das Wissen, dass er sich danach noch schlechter fühlen würde, war mitunter das Einzige, was ihn hier Wurzeln schlagen ließ, wenn man den großen Blick der Göre mal vorne weg nahm. Vorsichtig, aber trotzig, mit fremden Augen, die ihm doch so vertraut waren und deswegen noch mehr irritierten. Genervt wandte er seinen Blick von ihr ab.
“Willst du jetzt oder-”
, setzte er ungeduldig an und war schon im Inbegriff, diesen Annäherungsversuch einfach als gescheitert abzustempeln, als Sanna auf einmal doch auf ihn zutrat und ihre Arme um ihn legte. Er hätte es ja erwarten sollen, aber die Art, wie sie ihre Verteidigung vor ihm fallen zu lassen schien, überraschte ihn dann doch. Und da war sie wieder, seine Schwester. Sanna, die sich nicht von ihm hatte lösen wollen, als er zum ersten Mal ohne sie nach Wolfsmark aufgebrochen war. Sanna, die ihre Hände um seine Finger gelegt hatte in der Hoffnung, der Schnitt, den er sich mit seiner Axt zugezogenen hatte, würde so weggehen. Er hatte ja gedacht, er hätte seine Vergangenheit und seine Rolle, die er im Leben seiner Familie eingenommen hatte, hinter sich gelassen.
Na ja, falsch gedacht.
Es hatte fast etwas Geschlagenes, etwas von einer Niederlage, als er ausatmete und zumindest einen Arm um ihre kleineren Schultern legte. Er drückte sie nicht an sich und sein anderer Arm hing hilflos in der Luft, weil er ehrlich gesagt nicht wusste, wie er jemanden umarmen sollte, der Trost brauchte. Aber es war ein Anfang. Unsicher glitt sein Blick durch die Gasse, als wär er jetzt lieber woanders, dann runter zu dem Mädchen, das sich jetzt an die Hose ihrer Mutter klammerte. Ob er damals die gleiche Stabilität in ihrem instabilen Umfeld für Sanna gewesen war?
Die Aufforderung seiner Schwester ließ ihn schnaufen, eigentlich fast schon erheitert, fand er die ganze Situation doch skurril. So, wie das Mädchen ihre Ohren bei dem Wort aufzustellen schien und ihr Blick neugierig nach oben flatterte. So, wie er seinen zweiten Arm um Sanna legte und sie etwas an sich drückte.
“Gefickt ist das schönste Wort der Welt, weil du es überall benutzen kannst. Ich hab dich gefickt, zum Beispiel, wenn du jemandem so richtig eine auf die Fresse gibst.”
Dem Mädchen stand nun der Mund leicht offen, aber sie schien ihn zu verstehen.
“So-”
Er boxte hinter Sannas Rücken einmal geradeaus in die Luft.
“Und, uh-!”
Dieses Mal gab er der Luft einen Kinnhaken, während der Blick seiner Nichte fasziniert seiner Faust folgte. Zugegeben, Kinder waren gar nicht so schlimm, wenn sie nur zuhörten und mit ihrer Piepsstimme nichts von ihm erwarteten.
“Oder wenn ein Baum am Sterben ist. Dann ist er auch gefickt.
“Was noch?” Obwohl die Situation nicht merkwürdiger hätte sein können, oder gerade weil sie so merkwürdig war, schlich sich ein schmales Grinsen auf Ivars Lippen.
“Alte Menschen wurden vom Leben gefickt. So richtig schön durchgenommen, dass sie jetzt Falten haben und gebückt laufen.”
Er könnte noch ewig so weitermachen, fielen ihm doch hundert weitere Beispiele ein. Allerdings war da noch seine Schwester im Arm, die vermutlich gerade nicht hören wollte, wen er noch alles beleidigen konnte. Da lag immer noch diese Schwere auf ihr, die er nicht benennen konnte, und… er konnte sie so halt auch nicht alleine lassen. Ob er dieses Treffen nun gewollt hatte oder nicht, es war eben passiert. Ließ sich jetzt auch nicht mehr ändern. Etwas ruhiger setzte er deswegen an:
“Habt ihr eine Bleibe? Wenn nicht…”
Ach, was solls.
“Ich hab ein Zimmer im goldenen Esel, wenn du…”
Reden willst? Ivar wollte eigentlich nicht reden, aber noch weniger wollte er sie hier stehen lassen.
“... keine Ahnung.”
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Winterland
Sanna Lorenson
Winterland
Alter 22
Beruf Jägerin
Wohnort Rabenrast
Stand Ledig
User Natsch
#14
Sanna verharrte einen Moment in dieser Umarmung, spürte den vertrauten Druck ihres Bruders an sich, ohne die Erwartung, dass er sie erwidern würde. Vielleicht brauchte nur sie diese Nähe, das greifbare Stück Vergangenheit, das ihr vermittelte, dass das Winterland nicht so fern war, dass ein Teil davon in ihr lebte. Ivar hatte sich von seinem alten Leben abgewandt, würde vermutlich nie wieder vollständig zurückkehren – und das war für sie in Ordnung. Vielleicht würde dies der einzige Moment sein, in dem sie ihn so sehen konnte, bevor sich ihre Wege wieder trennten und jeder sein Leben fortsetzte. Und auch das wäre ok. Auf eine seltsam resignierte Art und Weise.

Als Ivar dann doch beide Arme um sie legte, fühlte es sich einen Moment lang so an, als halte er etwas in ihr zusammen, als wären all die Probleme – jene, die sie sich vermutlich selbst machte – plötzlich bedeutungslos, fast lächerlich. Den Kopf an seine Brust gebettet, lauschte sie aufmerksam seinen Ausführungen zum Thema gefickt sein und war beinahe erleichtert, dass er sich auf ganz andere Aspekte konzentrierte, als jene, die er ihr eben noch an den Kopf geworfen hatte. Ein schwaches, unterschwelliges Grinsen zeichnete sich auf ihren Lippen ab, das jedoch von einem ungläubigen Runzeln ihrer Stirn begleitet wurde – Ivar kannte offenbar unzählige Situationen, die man mit diesem Wort beschreiben konnte.

Valda lauschte unterdessen gebannt den Erklärungen ihres Onkels. Begeistert imitierte sie einzelne Bewegungen, rief immer wieder „gefickt!“, während Sanna innerlich zusammenzuckte und sich fragte, wie sie dieses Wort bloß wieder aus dem Sprachgebrauch ihrer Tochter streichen sollte. Sie seufzte leise.

Sie löste sich langsam von Ivar, ihre Hände verweilten noch einen Moment an seiner Seite, ehe sie sich endgültig zurückzog und Valda sanft über die dunklen Locken strich.
„Wir haben ein Zimmer ein paar Häuser weiter vom goldenen Esel“
, sagte sie mit ruhiger Stimme und fuhr sich kurz durch das Gesicht.
„Mit einer Söldnerin, die uns vom Winterland aus begleitet hat“
, fügte sie nachdenklich hinzu und ließ ihren Blick kurz abschweifen, als sie sich vorstellte, wie Tyra wohl auf Ivar reagieren würde. Irgendetwas sagte ihr, dass die beiden sich blendend verstehen würden – sie waren vom gleichen Schlag.

„Wir kommen schon klar…“
, murmelte sie mit einem halben Lächeln, das weit weniger tapfer wirkte, als ihre Worte vermuten ließen.
„Ich war nur… überrascht, dich zu sehen.“
Sie versuchte, ihren kleinen Gefühlsausbruch zu rechtfertigen.
„Wie lange bleibst du in der Stadt?“
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Winter's Breed
Ivar Lorenson
Heimatlose - Admin
Alter 28
Beruf Söldner
Wohnort Überall
Stand Ledig
User Letha
#15
Als Sanna sich endlich löste, musste Ivar nicht extra erwähnen, wie erleichtert er war; man sah es ihm regelrecht an, wie sich seine Muskeln unter dem Reiseüberwurf wieder entspannten und seine Schultern sich senkten. Jede Art von Körperkontakt, die keinen sexuellen Unterton oder kameradschaftliche Rohheit hatte, war einfach nichts für ihn. Früher hatte er seine Schwester vielleicht freiwillig in seine Arme gezogen und ihr gut zugesprochen, um sie zu trösten und irgendwie auch vor der Welt zu beschützen - jetzt erinnerte es ihn nur an kindliche Schwäche und die Hilflosigkeit, die ihn damals fast blind gemacht hatte. Ivar sagte es nicht, aber er war froh, dass seine Schwester sich wieder beruhigt zu haben schien und es nicht mehr an ihm war, unbeholfen seine Arme um sie zu legen.

Die wichtigen Informationen aus dem Gesagten herausfilternd, wie er es immer tat, wenn Menschen dachten, Unwichtiges mit zu verpacken, nickte er knapp auf die Aussage und warf einen kurzen Blick zu dem kleinen Knirps neben Sanna. Gut, dass sie eine Bleibe hatten. Dann musste er keinen guten Gastgeber mimen, der er einfach nicht war, oder - noch schlimmer - Kinderfrau spielen. Wenn überhaupt, dann hatte er eigentlich vorgehabt, in zwei Tagen wieder abzureisen. Warum in einer Stadt bleiben, in der es nichts gab, das ihn zum Bleiben bewegte? Leute, Kultur und System konnten seiner Meinung nach gern in Heofaders Arsch kriechen und nie wieder rauskommen. Er hatte sich nicht einmal nach Aufträgen in der Nähe umgeschaut, um sich etwas dazu zu verdienen und sein Reisegold aufzustocken.
Sicher würde er jetzt nicht den galanten Ritter spielen und Sanna schonend beibringen, was seine Pläne waren.
“Bis übermorgen”
, antwortete er daher knapp und kreuzte seine Arme vor der Brust. Und da war sie wieder - diese ungesagte Stille zwischen ihnen beiden, als hätten Ivars Worte ein Loch aufgerissen. Er starrte seine Schwester an und wusste nicht ganz, was er sagen sollte. Sollte er ihr Gold geben? Ihr versichern, dass er länger blieb ihretwegen? Was bei Heofaders Eiern wurde von ihm als älterer Bruder jetzt erwartet? Ohne ihn hatte sie es doch auch bis hierher geschafft und sich sogar ein Zimmer mieten können mit-...
“Warte, was?”

“Einer Söldnerin?”
, wiederholte Ivar die Worte seiner Schwester, eine sagenhafte Minute zu spät, doch schien ihn die Erkenntnis erst richtig aufzuwecken. Es gab nicht viele Söldnerinnen, wenn auch alle aus dem Winterland, und er kannte alle mit ihrem Namen. Natürlich. Sicher war das kein Funken Hoffnung, der seinen Blick auf einmal intensivierte und seine Stimme eindringlicher machte, denn was wenn…
“Wer?”
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Winterland
Sanna Lorenson
Winterland
Alter 22
Beruf Jägerin
Wohnort Rabenrast
Stand Ledig
User Natsch
#16
Sanna schwieg einen Moment, als Ivar sagte, dass er übermorgen wieder fort sein würde. Es war in Ordnung für sie – überraschenderweise. Das Treffen hatte ohnehin gezeigt, dass sie beide kaum noch etwas verband außer einer gemeinsamen Vergangenheit. Und auch wenn ein Teil von Sanna gern daran festgehalten hätte, war es ihr in den vergangenen Monaten erstaunlich leicht gefallen, die Dinge einfach hinzunehmen. So auch die Tatsache, dass Ivar und sie inzwischen in zwei Welten lebten, die sich nicht länger vereinen ließen. Dann nickte sie schließlich. „Okay. Pass auf dich auf“, war ihre schlichte Antwort, während ihre Hand beiläufig durch die dunklen Locken ihrer Tochter glitt.

Die plötzliche … tja, was war es? Unruhe? – die ihren Bruder ergriff, als Sanna erwähnte, dass sie mit einer Söldnerin unterwegs gewesen war – beziehungsweise es noch war –, ließ sie leicht die Stirn runzeln. „Ja, eine Söldnerin“, sagte sie und hob eine Augenbraue. „Wir waren eigentlich zu dritt“, fügte sie beiläufig hinzu und lehnte sich gegen die Häuserwand der Gasse. „Tyra und Eneas haben mich aus dem Winterland begleitet“, erklärte sie schließlich, als Ivars Stimme eindringlicher wurde. „Kennst du sie?“ Vielleicht waren sie ja befreundet. Oder Tyra hatte ihm einmal den Hintern versohlt – was Ivar, ohne Zweifel, wohl auch verdient hätte.
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Winter's Breed
Ivar Lorenson
Heimatlose - Admin
Alter 28
Beruf Söldner
Wohnort Überall
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User Letha
#17
Wie sehr konnte man jemanden vermissen, zu dem man eigentlich keine Verpflichtungen hatte? Scheinbar so sehr, dass sich Ivars Miene von einer Sekunde auf die andere in eine fette, grinsende Visage verwandelte, kaum dass er Tyras und Eneas Namen hörte.
“Hah! Die Scheißer.”
Er machte sich gar keine Mühe, seine Aufregung zu verbergen, auch wenn sie sich vielleicht anders ausdrückte als bei anderen, zivilisierten Menschen. Ivars Grinsen war gezeichnet von Dreck, durch den Scheißhaufen an der Hausecke gezogen, und doch das Ehrlichste, was die Straße zu bieten hatte. Seine verschränkten Arme wirkten auch nicht abwehrend, so, wie die plötzliche Energie auf einmal aus jeder Pore dringen wollte und er sich eigentlich schlecht dafür fühlen sollte, seine Schwester nicht so begrüßt zu haben. Mit ihr kehrte seine Vergangenheit zurück, die er eigentlich begraben hatte, doch Tyra und Eneas - zwei Namen, die er das letzte Jahr nur in seinem Kopf mit Erinnerungen hatte verbinden können - sie waren seine Gegenwart. Das, was ihn ausmachte. Das Sinnbild von seinem Fickleben, das sich niemand als Dreck unter den Fingernägeln wünschte, und deswegen genau die Antwort auf die Frage, was er eigentlich noch hier suchte.
Ivar forderte sein Glück täglich heraus und doch waren sie es, warum er es immer wieder aufs Neue tat.
Ohne es wirklich zu registrieren, lösten sich seine Arme aus der Verschränkung und seine Hand legte sich locker auf Sannas Schulter, drückte sie sogar kameradschaftlich.
“Vielleicht bleib ich ein bisschen länger”
, denn die beiden waren es wert, sich ein paar Tage länger in dieser Pissstadt rumzutreiben. Mit zwei Brüsten und einem Schwanz mehr stank die Stadt nämlich weniger nach Pisse.
“Weißt du wo sie grad sind?”
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Winterland
Sanna Lorenson
Winterland
Alter 22
Beruf Jägerin
Wohnort Rabenrast
Stand Ledig
User Natsch
#18
Dass ihr Bruder sich offensichtlich mehr über die beiden anderen Söldner freute als darüber, sie zu sehen, war kaum zu übersehen. Doch wenn Sanna ehrlich war, kränkte es sie kaum. Die Jahre hatten sie beide verändert, und wenn man genau sein wollte, kannten sie einander kaum noch.
Dass man in einem solchen Fall zu seinen … Freunden eine innigere Beziehung aufbaute als zur eigenen Familie, war beinahe natürlich. Entsprechend schob sich ein schiefes Lächeln auf Sannas Lippen, und sie verdrehte bei Ivars Wortwahl leicht die Augen. Dass er sich sogar dazu herabließ, länger in der Stadt zu bleiben, machte deutlich, wie nah sie sich offenbar standen – oder zumindest, wie sehr er die beiden anderen mochte.
„Eneas hat uns kurz vor der Grenze zum Frühlingsland verlassen. Wir wissen nicht, wohin er gegangen ist“
, erklärte Sanna ruhig und ließ den Blick kurz nach links und rechts wandern, als die Hände ihres Bruders auf ihren Schultern landeten.

„Aber Tyra und ich teilen uns noch ein Zimmer bei Gerda – ich weiß nur nicht, wie lange noch. Ich habe das Gefühl, dass Söldner selten länger als nötig an einem Ort bleiben“
, fuhr sie fort. Dann löste sie sich aus dem Griff ihres Bruders und sah zu Valda hinüber, die langsam etwas unruhig wurde. Erwachsene konnten unfassbar langweilig sein.
„Ihr geht es gerade nicht so gut. Sie freut sich sicher, ein bekanntes Gesicht zu sehen.“
Sanna griff nach der Hand ihrer Tochter und wandte den Blick wieder Ivar zu.
„Komm gern mal vorbei. Ich habe jetzt noch etwas auf dem Markt zu erledigen.“
Damit beendete sie das Gespräch, fuhr sich kurz durch die blonden Haare und fügte hinzu:
„Vielleicht sehen wir uns ja noch einmal.“
Das Lächeln auf ihren Lippen war weder hoffnungsvoll noch ablehnend – eher seltsam neutral –, ehe sie sich umwandte, die Gasse verließ und in der Menschenmenge des Marktes verschwand.
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Winter's Breed
Ivar Lorenson
Heimatlose - Admin
Alter 28
Beruf Söldner
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Stand Ledig
User Letha
#19
Das war also Ivar, wie er lebte und er war froh, dass er diese Freude mit Sanna teilen konnte. Er wusste besser als jeder andere, dass sie nicht viel in ihrer Kindheit zum lachen gehabt hatte, und sie nun lächeln zu sehen - mit dieser schiefen, gestandenen Art, als würde sie sich über den Zustand der Welt amüsieren - weckte Erinnerungen an die wenigen glücklichen Momente, die sie zusammen verbracht hatten. Nicht immer war alles mit Gewalt und Leid versehen; der Söldner hatte nur gelernt, den guten Erinnerungen genauso wenig Wert beizumessen wie den schlechten Erinnerungen. Seine Welt war so einfach, weil er alles, was sich nicht mit seinen Schwertern oder Gold lösen ließ, permanent ausschloss. Deswegen runzelte sich auch seine Stirn so verständnislos, als seine Schwester berichtete, dass Eneas nicht mehr mit ihnen war.
“Versteh ich nicht. Er verschwindet nie, ohne ein Wort zu sagen”
, erwiderte er und überlegte, ob er sich in den nächsten Tagen nach ihm auf die Suche machen wollte.

Aber das hatte Zeit. Wenigstens mit Tyra in der Stadt hatte er es nicht mehr ganz so eilig, seine Beine in die Hand zu nehmen, auch wenn er matschige, weite Wiesen jederzeit den ächzenden Pflastersteinen von Spring’s Court vorzog.
“Bei der alten Hexe?”
, fragte er nach und nahm die Hände wieder runter. Sicher kannte er Gerda, die war aber ein paar Ecken mehr vom goldenen Esel entfernt. Die Frage nach dem Warum wurde immerhin gleich beantwortet, was ihn erst schweigen ließ. Er hatte nicht viel mit Mitleid am Hut und wusste, dass Tyra ihm für jeden Anflug die Schädeldecke eintreten würde. Aber er konnte auch nicht umhin, sich mehr zu wünschen als nur ein Ihr geht es nicht gut. Weil, ja, warum denn? Hat sie sich nen Schnupfen gefangen? Siechte sie unter nem üblen Armbruch dahin? Monatliche Blutungen? Er hätte Sannas Einladung nicht gebraucht, denn er hatte davor schon entschieden, vorbeizuschauen. Mehr Jetzt als Bald, wenn man ihn fragte, aber auch auf Ivars Liste standen noch ein paar Läden, die er heute hatte besuchen wollen.
“Hm.”
Er nickte und neigte seinen Blick ebenfalls auf das kleine Mädchen, von dem er sich nicht vorstellen konnte, dass es mit ihm verwandt sein sollte. Lange hatte er nichts mit Familie am Hut haben wollen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit relativ hoch war, dass da draußen irgendwo ein Balg von ihm rumlief. Doch wenn er das Mädchen so bedachte, mit den dunklen Augen, dem wachen, mutigen Blick und den kleinen Händen…
Ivar schnaubte und schulterte erneut den Reisesack.
“Ja, ich muss auch noch was erledigen.”
Er folgte Sanna die paar Schritte zurück aus der Gasse, bis sie am Rande des Marktes standen und offensichtlich wurde, dass ihre Ziele vermutlich in anderen Richtungen lagen.
“Ich komm in den nächsten Tagen vorbei. Und, äh…”
Noch einmal sah er seiner Schwester ins Gesicht, ohne wirklich zu wissen, was er sagen sollte. Was er fühlen sollte. Was er fühlen wollte. Wenn er wenigstens Eneas hätte, mit dem er sich jetzt hätte betrinken können.
“Pass auf dich auf.”

Als Ivar an diesem Abend tatsächlich alleine in der Gaststube saß mit einer Frau auf seinem Schenkel und einem Metkrug in der Hand, erwischte er sich aber dabei, dass er sich nicht Eneas an seine Seite wünschte. Es war Sanna, von der er sich fragte, ob sie ihn mittlerweile doch unter den Tisch trinken konnte.

Ende
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